Donnerstag, 22. Oktober 2020

Daniel Lektion 4

„Ich, Nebukadnezar, lebte sorglos in meinem Haus und glücklich in meinem Palast. Da hatte ich einen Traum, der mich erschreckte, und die Gedanken auf meinem Lager und die Gesichte meines Hauptes ängstigten mich. Und es wurde von mir Befehl gegeben, alle Weisen Babels vor mich zu bringen, damit sie mir die Deutung des Traumes verkündeten. Sogleich kamen die Traumdeuter, Wahrsager, Chaldäer und Zeichendeuter herbei, und ich erzählte vor ihnen den Traum; aber sie konnten mir seine Deutung nicht verkünden,“

Daniel 4:1-4


Wie wenige denken daran, dass der Versucher einst ein schirmender Cherub war. Satan fiel von seiner hohen Stellung durch Selbsterhöhung; er missbrauchte die großen Fähigkeiten, die Gott ihm so reichlich verliehen hatte. Er fiel aus demselben Grund, aus dem heute so viele fallen: aufgrund des Ehrgeizes, der Erste zu sein, sowie der Unwilligkeit, eingeschränkt zu werden. Der Herr möchte dem Menschen die Lehre erteilen, dass er nicht eher gerettet ist, bis ihm das Siegel Gottes aufgedrückt wird, selbst wenn er ein Gemeindeamt innehat. ... Der Herr hat ein Werk für uns alle. Und wenn die Wahrheit nicht im Herzen gewurzelt ist, wenn die natürlichen Charakterzüge nicht vom Heiligen Geist umgewandelt worden sind, können wir nie Mitarbeiter Jesu Christi sein. Das „Ich“ wird dauernd auftauchen, und der Charakter Christi wird in unserem Leben nie offenbar werden. Was Nebukadnezar hier schreibt, ist zu seiner tiefen Demütigung, aber er schreibt es an alle Völker. Er schreibt, damit die Menschen seines Reiches wüssten, wie es dazu gekommen ist, dass er jetzt auf einmal ein ganz anderer war. Er sitzt da in seinem Palast und hatte Gedeihen; er war ein mit sich und der Welt zufriedener und glücklicher Mensch, nur leider ohne Gott. Er hatte erreicht, was er erreichen wollte, sein Reich war soweit in Frieden. Eine Zeit der Muße, der Sorglosigkeit und des Übermuts ist auch für den König David eine Gefahr und ein Fallstrick geworden 2. Samuel 11:1-2. Hat das nicht auch uns etwas zu sagen? Wieviel Muße haben wir oft, und gerade in unseren Tagen des Internets sind die Gefahren so groß, dass wir in solchen freien Augenblicken gerade durch diese vielfältigen fleischlichen Anreize zu Fall kommen!


Von Satan erklärt der Herr, dass er nicht in der Wahrheit blieb. Einst war er herrlich, erstrahlend im Licht. Doch Gottes Wort sagt von ihm: „Weil sich dein Herz erhebt, weil du so schön bist.“ Satan stiftete andere zum Aufruhr an, und nachdem sie aus dem Himmel geworfen waren, schloss er sie in einem Bund zusammen, dem Menschen alles nur erdenkbar Böse zuzufügen: als einziges Mittel, Gott zu treffen. Ausgeschlossen aus dem Himmel beschloss er, sich durch Zerstörung des Schöpferwerkes Gottes zu rächen... Satans Ziel war es gewesen, seinen eigenen Charakter in den Menschen zu vervielfältigen. Sobald der Mensch geschaffen war, beschloss Satan, das Bild Gottes im Menschen auszulöschen und seinen Stempel aufzudrücken, wo Gottes Stempel sein sollte. Und er war erfolgreich, im Herzen des Menschen den Geist des Neides, Hasses und des Ehrgeizes einzuflößen. In dieser Welt hat er ein Reich der Finsternis aufgerichtet, dessen Fürst er ist, der Anführer in der Schuld. Er begehrte, sich den Thron Gottes anzumaßen. Nachdem dies fehlgeschlagen war, wirkte er im Dunkeln, in Unehrlichkeit und Täuschung, um sich seinen Platz im Herzen der Menschen anzumaßen. Er hat seinen Thron zwischen Gott und dem Menschen aufgestellt, um die Anbetung, die allein Gott gebührt, in Anspruch zu nehmen.


Nebukadnezar bekam wieder einen Traum, und diesmal vergaß er den Traum nicht. Ganz genau hatte sich dieser Traum in sein Gedächtnis eingegraben, jede Einzelheit. Und dieser Traum beängstigte ihn, obwohl er seine Bedeutung noch nicht verstand. Nebukadnezar empfindet wohl, dass über dem blauen Himmel sich Wolken zusammenziehen, die wahrscheinlich ihn zum Ziel haben. Und wieder ruft er seine Weisen zusammen, und wieder vermögen sie nicht, ihm den Traum zu deuten. Offenbar aber hatte er Daniel dabei vergessen, obwohl er ihn doch zum Obersten aller Weisen von Babel gemacht hatte.


„bis zuletzt Daniel vor mich kam, der Beltsazar heißt nach dem Namen meines Gottes, und in welchem der Geist der heiligen Götter ist; vor dem erzählte ich meinen Traum: Beltsazar, du Oberster der Schriftkundigen, von dem ich weiß, dass der Geist der heiligen Götter in dir ist und dass kein Geheimnis dir zu schwierig ist, [vernimm] das Traumgesicht, das ich gesehen habe, und sage mir, was es bedeutet! Das sind aber die Gesichte meines Hauptes auf meinem Lager: Ich schaute, und siehe, es stand ein Baum mitten auf der Erde, und seine Höhe war gewaltig.“

Daniel 4:5-7


Das Reinigungs- und Läuterungswerk Gottes muss so lange fortgesetzt werden, bis seine Diener so gedemütigt und dem „Ich“ abgestorben sind, dass sie nur die Ehre Gottes im Auge haben, wenn sie zu tätigem Dienst berufen werden. Nebukadnezar holt den Daniel scheinbar nur aus Verlegenheit, weil er mit seinen eigenen Leuten nicht weiter kam. Daraus wird deutlich, dass er mit Daniel keine Wesensverbindung hatte, er war ihm ein Fremder geblieben. Der Traum war ein Traum des Himmels, aber die Philosophen dieser Welt kennen nur die Gedanken dieser Erde, sie können nicht deuten, was vom Himmel kommt. Ist das aber nicht auch eine Auszeichnung für Daniel, dass er getrennt von ihnen erwähnt wird? Obwohl Nebukadnezar ihn zu einem dieser Männer gemacht hatte, gehörte er doch nicht zu ihnen. Man konnte ihn unterscheiden von den anderen, offensichtlich war er in seinem Lebenswandel geprägt durch Trennung. Von uns wird auch gesagt, dass wir wohl in der Welt sind, aber nicht von der Welt sind Johannes 17:11-14. Wie weit entsprechen wir dem in unserem praktischen Verhalten? Wir leben in den letzten Tagen dieser Weltgeschichte, und wir mögen über nichts erstaunt sein, was Abfall und Leugnung der Wahrheit betrifft. Der Unglaube ist inzwischen eine Kunst geworden, die Menschen zum Verderben ihrer Seele betreiben. Die Stimme der Warnung und Mahnung aber wird gehört werden, solange Gnadenzeit ist. Nebukadnezar wusste ganz genau Bescheid, dass in dem Daniel ein Mann da war, der fähig war, Dinge zu erläutern und zu deuten, die seinen eigenen Schriftgelehrten verborgen blieben. Er nimmt also jetzt Zuflucht zu einem Mann, zu dem keine Wesensverbindung bestand und redet ihn mit seinem heidnischen Namen Beltsazar an. Er hätte lieber seine natürlichen Hilfsquellen benutzt und Daniel gar nicht gebraucht, so wie es auch bei uns noch sein kann, dass wir zu den geistlichen Quellen erst dann Zuflucht nehmen, wenn die natürlichen Hilfsmittel versagen. Aber da sich sein Herz ängstigte und ihm keine Ruhe mehr ließ, nimmt er es in Kauf, diesen Beltsazar zu holen und zu ihm zu sprechen.


„Der Baum war groß und stark, und sein Wipfel reichte bis an den Himmel, und er war bis ans Ende der ganzen Erde zu sehen. Sein Laub war schön und seine Frucht reichlich, und Nahrung für alle fand sich an ihm; unter ihm suchten die Tiere des Feldes Schatten, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen, und von ihm nährte sich alles Fleisch. Ich schaute in den Gesichten meines Hauptes auf meinem Lager, und siehe, ein heiliger Wächter stieg vom Himmel herab; und er rief mit gewaltiger Stimme und sprach: Haut den Baum um und schlagt seine Äste ab! Streift sein Laub ab und zerstreut seine Früchte; die Tiere unter ihm sollen wegfliehen und die Vögel von seinen Zweigen! Aber seinen Wurzelstock sollt ihr in der Erde lassen, und zwar in Fesseln aus Eisen und Erz im Gras des Feldes, damit er vom Tau des Himmels benetzt werde und mit den Tieren Anteil habe an den Kräutern der Erde. Sein menschliches Herz soll verwandelt werden, und es soll ihm ein tierisches Herz gegeben werden; und sieben Zeiten sollen über ihm vergehen. Im Rat der Wächter wurde das beschlossen, und von den Heiligen wurde es besprochen und verlangt, damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es gibt, wem er will, und den Niedrigsten der Menschen darüber setzt! Diesen Traum habe ich, der König Nebukadnezar, gesehen; du aber, Beltsazar, gib die Auslegung, weil alle Weisen meines Reiches nicht imstande sind, mir die Deutung zu verkünden; du aber kannst es, weil der Geist der heiligen Götter in dir ist!“

Daniel 4:8-15


Ach, wie schrecklich wird Gottes Werk durch menschlichen Eigensinn und zügelloses Temperament entstellt! Wie viel Leid bringt der Mensch über sich selbst, indem er seinen halsstarrigen Neigungen folgt! Gott nimmt sich die Menschen immer wieder vor. Er verstärkt ihre Belastung, bis vollkommene Demut und die Umwandlung ihres Charakters sie in Einklang mit Christus und dem Geist des Himmels bringen und sie sich selbst überwinden. Es ist eigentlich erstaunlich für Gottes Wort, das ja nicht dadurch gekennzeichnet ist, dass es sich ständig wiederholt oder ganze Abschnitte einfach wiederholt werden. Aber hier ist es so. Es muss Gott sehr wichtig sein, sodass Er die Beschreibung fast Wort für Wort wiedergibt. Hilfreich ist deshalb zu unterscheiden wie Nebukadnezar den Traum uns darstellt, Daniel den Traum wiederholt und dann der Traum gedeutet wird. Der Traum zeigt uns, dass die Regenten der Weltmächte sich selbst in den Mittelpunkt stellen und erhöhen. Die Macht und Autorität, die Gott ihnen gibt, werden benutzt, um sich selbst in Stolz und Hochmut zu präsentieren. Wenn man Gott und seine Gedanken an die Seite stellt, wird der Mensch wie ein Tier, das keinen Verstand hat und ohne jeden Bezug zu Gott lebt. Auch das finden wir in der extremsten Form am Ende der Zeit der Nationen. Nicht umsonst wird der letzte Weltherrscher ein „Tier“ genannt Offenbarung 13:1.


Es ist ein eindrucksvoller Beweis für die Wahrheit der Worte Salomos „Stolz kommt vor dem Zusammenbruch, und Hochmut kommt vor dem Fall.“

Sprüche 16:18, das macht die Geschichte Nebukadnezars sehr deutlich, „Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade.“

Jakobus 4:6; 1. Petrus 5:5. Wir lernen gleichzeitig, dass Umkehr zu Gott immer möglich ist. Gott lässt einen Menschen nicht am Boden liegen. Wer zu Ihm aufsieht und sich demütigt, findet Gnade und Wiederherstellung.


„Da blieb Daniel, den man Beltsazar nennt, eine Weile ganz starr, und seine Gedanken erschreckten ihn. Der König ergriff das Wort und sprach: Beltsazar, der Traum und seine Deutung dürfen dich nicht erschrecken! Beltsazar antwortete und sprach: Mein Herr, der Traum gelte deinen Hassern und seine Auslegung deinen Feinden!“

Daniel 4:16


Bevor der Traum interpretiert wird, zeigt uns der biblische Bericht, wie Daniel auf die Ansprache des Königs reagierte. Anders als in Kapitel 2 hatte Daniel offensichtlich sofort verstanden, was der Traum bedeutete. Dennoch schwieg er eine Zeitlang. Er „entsetzte sich“ und „seine Gedanken ängstigten ihn“. Der König schien das bemerkt zu haben und ermutigte ihn zu reden. Bevor Daniel dann auf den Traum einging, sagte er zunächst zum König: „Mein Herr, der Traum gelte deinen Hassern und seine Deutung deinen Feinden.“ War es denn nun gut und richtig, dass er hier starr vor Entsetzen wurde? Verständlich war es bestimmt, denn der König Nebukadnezar war ihm nicht egal, er hatte offensichtlich ein gewisses Mitgefühl mit ihm. Daniel befand sich in der Macht dieses unberechenbaren König. Was Gott tut, ist immer gerecht, aber auf unserer Seite sollte jeder Gedanke von Genugtuung und innerer Freude darüber ausgeschlossen sein. In der Bergpredigt sagt der Herr: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ Matthäus 5:44. Es gibt Menschen, die in offener Gottlosigkeit ihren Weg gehen. Dennoch sollte bei uns nie der Gedanke aufkommen, dass es gut ist, wenn sie einmal von Gott bestraft werden. Im Gegenteil: Wir wollen uns die Barmherzigkeit schenken lassen, Gefühle des Mitleids für sie zu haben wie es Daniel mit dem König Nebukadnezar hatte.


Paulus fordert Timotheus auf, für Menschen in Hoheit zu beten 1. Timotheus 2:1. Für uns scheint das relativ einfach zu sein. Für Timotheus und die Gläubigen damals schloss es ein, für einen grausamen Herrscher wie Kaiser Nero zu beten, einen Mann, der Paulus am Ende getötet hat. Gott ist ein Heiland, der alle Menschen retten will. Deshalb brauchen wir einen ähnlichen Charakter wie Daniel oder Paulus im Blick auf die Menschen um uns herum.


„Der Baum, den du gesehen hast, so groß und stark, dass sein Wipfel bis zum Himmel reichte, und der über die ganze Erde zu sehen war, der so schönes Laub hatte und so reiche Früchte trug und an dem sich Nahrung für alle fand, unter dem sich die Tiere des Feldes aufhielten und in dessen Zweigen die Vögel des Himmels wohn­ten — dieser [Baum] bist du, o König, der du so groß und stark geworden bist und dessen Majestät so groß ist, dass sie bis zum Himmel reicht, und deine Herrschaft bis ans Ende der Erde.“

Daniel 4:17-19


Ein Baum ist in der Bibel oft ein Symbol, das entweder mit Frucht in Verbindung gebracht wird zum Beispiel Psalm 1:3; Jeremia 17:8, oder von einem Platz hoher Würde und Bedeutung spricht zum Beispiel Richter 9:8; Hesekiel 17:24. Israel wird mehrfach mit einem Baum verglichen. Gott nennt das Volk einen „Weinstock“ und „Feigenbaum“ Joel 1:7 und vergleicht es mit einem „grünen Olivenbaum, schön an herrlicher Frucht“ Jeremia 11:16. In Matthäus 13 steht der große Baum symbolisch für Gottes letzte Gemeinde. Aus einem kleinen Senfkorn wurde ein großer Baum, in dem die Vögel des Himmels sich niederlassen Matthäus 13:31-32. Der Baum jedoch, von dem Nebukadnezar träumte, symbolisiert die Macht, die Gott ihm als dem ersten Vertreter der Herrscher in der Zeit der Nationen gegeben hatte. In diesem Sinn ist der Baum das Bild eines Regierungssystems bzw. des Regenten dieses Systems. Daniel sagt klar und unmissverständlich in seiner Deutung: „Der Baum bist du.“ Es geht also um den König selbst, wobei man den König nicht von seinem Reich trennen kann. Vers 19 betont, dass Nebukadnezar groß und stark geworden war, dass seine Größe wuchs und bis an den Himmel reichte und seine Herrschaft bis ans Ende der Erde. Der Baum machte nach außen einen gewaltigen Eindruck und wurde von den Menschen bewundert. Es ist also ganz schlicht eine Beschreibung von der Größe und Erhabenheit dieses Königs, wo selbst alle Tiere unter seinem Schutz Gedeihen und alle Annehmlichkeiten des Lebens finden. Aber wenn es heißt, dass der Baum bis an den Himmel wuchs, dann ist darin auch die Selbstüberhebung Nebukadnezars angedeutet. Ein Unterschied zu der alles umfassenden Machtfülle unseres Herrn Jesus Christus bleibt allerdings bestehen. Nebukadnezar ist niemals mit der Macht über die Fische des Meeres ausgerüstet worden. Von unserem Herrn Jesus Christus heißt es „Du hast ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände gemacht; alles hast du unter seine Füße gelegt: Schafe und Rinder allesamt, dazu auch die Tiere des Feldes; die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was die Pfade der Meere durch­zieht.“

Psalmen 8:7-9, diese Herrlichkeit hat unser Herr Jesus Christus ganz allein.


„Dass aber der König einen heiligen Wächter vom Himmel herabsteigen sah und sagen hörte: Haut den Baum um und verderbt ihn; aber seinen Wurzelstock lasst in der Erde, und zwar in Fesseln von Eisen und Erz im Gras des Feldes, dass er vom Tau des Himmels benetzt werde und seinen Anteil habe mit den Tieren des Feldes, bis sieben Zeiten über ihm vergangen sind!, das hat, o König, folgende Bedeutung, und dies ist der Beschluss des Höchsten, der über meinen Herrn, den König, ergangen ist: Man wird dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wirst du dich aufhalten; und man wird dich mit Gras füttern wie die Ochsen und dich vom Tau des Himmels benetzen lassen; und es werden sieben Zeiten über dir vergehen, bis du erkennst, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es gibt, wem er will! Weil aber davon die Rede war, man solle den Wurzelstock des Baumes belassen, so wird auch dir dein Königtum wieder zuteil werden, sobald du erkennen wirst, dass der Himmel herrscht.“

Daniel 4:20-23


Auf die Beschreibung des Baumes folgt die Ankündigung des Gerichts durch einen himmlischen Boten. In der Beschreibung des Wächters sehen wir, dass Gott auch in der Zeit der Nationen darüber wacht, wie die Herrscher ihre verliehene Macht ausüben und wie Er zu Seiner Zeit eingreift. Und die Beschreibung des Heiligen erinnert uns daran, dass Er Seinen Maßstab der Heiligkeit anlegt an diese Menschen. Gott hatte gewacht und stieg selbst vom Himmel herab. Dem Auge Gottes entgeht nichts. Er sieht vom Himmel auf die Erde und in die Herzen der Menschen. Er kannte den Hochmut des Königs und Er schickte einen Boten vom Himmel, um zu ihm zu reden. Der „Wächter und Heilige“ ist offensichtlich ein Engel vom Himmel. Eigentlich handelt es sich um einen einzigen Ausdruck „der Engel des Herrn“. Man könnte auch sagen: ein „heiliger Wächter“. Engel sind im Alten wie im Neuen Testament Diener Gottes Psalm 104:4; Hebräer 1:7,14. Nebukadnezar hatte von seinen eigenen Göttern gesprochen, aber nun antwortet der Gott des Himmels durch einen seiner Boten, der vom Himmel herabsteigt.


Diese Selbst-Überhebung Nebukadnezars ist in den Augen Gottes etwas ungemein Böses, und als der Wächter Seiner eigenen Heiligkeit und Ehre musste Er darauf in Gericht antworten. Es ist ein doppeltes Gericht, das Daniel aus dem Traum heraus ankündigt. „Haut den Baum um“: einerseits würde ihm seine Herrschaft für eine Zeit weggenommen werden, „und verderbt ihn“: andererseits würde er durch Gott in den Zustand eines Tieres degradiert werden. Der Baum sollte also nicht komplett vernichtet, wohl aber abgehauen und verdorben werden. Seine Zweige sollten weggeschnitten, sein Laub abgestreift und seine Frucht umhergestreut werden. Die Tiere unter ihm sollten fliehen. Das zeigt klar, dass es mit dem Baum zunächst ein Ende haben würde. All das, was der Baum für andere darstellte, war dahin. Was blieb, war für das menschliche Auge unsichtbar.


Was der Engel zu sagen hatte, ist „ein Beschluss der Wächter“ und „ein Befehl der Heiligen“ Daniel 4:14. Es ist gleichzeitig und das gibt dieser Aussage noch mehr Gewicht ein „Beschluss des Höchsten“ Daniel 4:21. Das ist niemand anderes als Gott selbst, der über jede irdische Macht weit erhoben ist. Das alles steht im deutlichen Gegensatz zu den Göttern Babels. Von diesen Göttern hatte Jesaja lange vorher gesagt „Bel krümmt sich; Nebo ist zusammengebrochen; ihre Bilder sind den Tieren und dem Vieh aufgeladen; eure Prozessionsbilder sind ihnen zur schweren Last geworden, eine Bürde für das erschöpfte Vieh.“

Jesaja 46:1. Aber es ist doch erstaunlich, dass es ein zeitliches Gericht bleibt, denn der Wurzelstock sollte in der Erde bleiben. Wenn der Wurzelstock eines Baumes in der Erde bleibt, so gibt es Hoffnung Hiob 14:7-9. So groß ist die Gnade Gottes, dass selbst in diesem Gericht noch Hoffnung angedeutet bleibt. Eisen und Kupfer dieser Fesseln des Wurzelstocks sprechen von der Festigkeit (Eisen) und der göttlichen Gerechtigkeit (Kupfer) des Gerichts. Es sind Mittel in der Hand Gottes, einmal das Königtum zu bewahren, damit es Nebukadnezar wieder gegeben werden könnte; es sind aber auch Mittel Gottes, Nebukadnezar selbst zu erhalten in diesen sieben Jahren. Gott hatte vor, diesen Baum wieder sprossen zu lassen. Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit göttlichen Handelns, und hier hat Gott eine vollkommene Zeit der Zucht, ein zeitlich befristetes Gericht über Nebukadnezar ausgeübt, die dazu führte, dass er zu einer gewissen Erkenntnis Gottes kam. Sieben Zeiten stehen für sieben Jahre, aber sie haben absolut nichts mit der Trübsal zu tun. Sie reden von der Fülle der Zeiten der Nationen; diese Zeit wird gekennzeichnet sein durch das, was wir hier haben: Hochmut, man vergisst, dass Gott die Macht gibt, dass man einfach Gott ausschaltet und sich noch höher macht, als man schon hoch zu sein meint. Diese sieben Zeiten sind also eine Beschreibung der Fülle der Zeiten der Nationen, wie sie sich von Anfang bis Ende darstellen werden.


„Darum, o König, lass dir meinen Rat gefallen und brich mit deinen Sünden durch Gerechtigkeit und mit deinen Missetaten durch Barmherzigkeit gegen Elende, wenn dein Wohlergehen dauerhaft sein soll!“

Daniel 4:24


Daniel hatte die Deutung des Traumes angezeigt, und jetzt kommt mit dieser Mahnung sein letztes Wort an den König. Er tut darin in aller Bescheidenheit einen evangelistischen Dienst, sicherlich mit innerlichem Zittern, aber er spricht dennoch Klartext. Daniel ist sich seiner untergeordneten Stellung bewusst und sagt: „Darum, o König, lass dir meinen Rat gefallen.“ Eine ähnliche Verhaltensweise finden wir bei Paulus, der den Statthalter Festus in seiner Ansprache mit „vortrefflichster Festus“ anredete Apostelgeschichte 26:25. Davon können wir lernen. Die Botschaft des Evangeliums gibt uns nicht die Freiheit, menschliche Autoritäten zu ignorieren. Petrus schreibt: „Ehrt den König“ 1. Petrus 2:17. Das gilt für alle von Gott gegebenen Autoritäten. Hätten wir auch den Mut, mal in unserer nächsten Umgebung eine klare Botschaft zu verkündigen? Es ist eine zeitlos gültige Botschaft, die Daniel bringt: wenn wir je Gelingen haben wollen, dann müssen wir brechen mit unseren Sünden. Die Sünden, von denen Nebukadnezar lassen sollte, waren nicht nur allgemein sein Hochmut, sondern auch seine übergroße Grausamkeit und die Einbildung auf seine eigene Kraft, die in Habakuk 1:6-11 beschrieben wird. Für Nebukadnezar gab es eine Möglichkeit, dem Urteil Gottes zu entkommen. Jedenfalls deutet Daniel das an. Der Traum beinhaltete eine klare Warnung. Er glich einer Weissagung mit Bedingungen. Wer seine Übertretungen bekennt und lässt, wird Barmherzigkeit erlangen Sprüche 28:13. Wieviel Langmut hat Gott mit Seinem irdischen Volk gehabt, wieviel Propheten hatte Er gesandt Jeremia 7:25. Und wenn wir an die Geschichte der Kirche Gottes auf der Erde denken, wie sie in den Sendschreiben vorgestellt wird, dann haben wir nur zwei Sendschreiben, wo Gott nichts zu tadeln hatte. In allen anderen Sendschreiben ruft Er zur Buße auf zum Beispiel Offenbarung 2:21.


Nebukadnezar hatte seine Chance. Doch er verpasste sie. Bei allem Respekt vor dem König war Daniel gleichzeitig sehr mutig. Er kannte den König. Er kannte seinen Lebensstil. Er kannte seine Unbeherrschtheit. Dennoch sagte er ihm die Wahrheit und forderte ihn zur Buße auf. Er sollte mit seinen Sünden brechen, sonst würde der Friede keinen Bestand haben. Wir wollen auch daraus für uns lernen, langmütig zu sein und abwarten zu können, ob nicht das Vorstellen der Wahrheit und der Aufruf zur Buße Früchte trägt; dass wir nicht zu schnell handeln, sondern abwarten, ob Gott nicht ein Werk zur Umkehr und zur Buße wirken kann. Hier hat Gott das ein Jahr lang getan, aber es hatte keine Frucht bei Nebukadnezar bewirkt. Daniel stellte den Sünden die Gerechtigkeit und der Ungerechtigkeit die Barmherzigkeit gegenüber. Sünden und Gerechtigkeit haben es mit dem Verhalten Gott gegenüber zu tun. Ungerechtigkeit und Barmherzigkeit beziehen sich mehr auf das Verhalten Menschen gegenüber. Offensichtlich war der König in beiden Fällen schuldig geworden. Praktizierte Gerechtigkeit und erkennbares Mitleid wären der Beweis einer inneren Umkehr gewesen.


Wenn Gott in diesem Traum nun das Urteil über Nebukadnezar schon vorhergesagt hatte, besaß er dann überhaupt noch die Möglichkeit zur Umkehr? Wir müssen bei dieser Frage zwischen den Regierungswegen Gottes und Seinem Ratschluss unterscheiden. Wir können das mit der Botschaft Jonas an Ninive vergleichen. Ninive sollte in vierzig Tagen umgekehrt werden Jona 3:4. Die Leute von Ninive nahmen diese Botschaft zu Herzen. Sie taten Buße und das Gericht wurde aufgeschoben. In dem regierenden Handeln Gottes gibt Er immer noch die Möglichkeit der Umkehr. Auch Nebukadnezar hätte die Möglichkeit gehabt, in seinem Herzen umzukehren. Nebukadnezar wird hier nicht zum ersten Mal gewarnt. Gott war ihm bereits mehrfach in den Weg getreten. „Doch in einer Weise redet Gott und in zweien, ohne dass man es beachtet“ Hiob 33:14. „Siehe, das alles tut Gott zwei-, dreimal mit dem Mann“ Hiob 33:29. So war es in der Zeit Noahs, des Predigers der Gerechtigkeit, der ebenfalls das Gericht ankündigte 1. Petrus 3:20. So war es bei Pharao, über den zehn Plagen kamen, bevor Gott schließlich das finale Gericht über ihn brachte. So war es nach der Kreuzigung, als Gott vierzig Jahre wartete, bis das Gericht über Jerusalem kam. So ist es bis heute „Der Herr zögert nicht die Verheißung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe.“ 2. Petrus 3:9.


„Dies alles ist über den König Nebukadnezar gekommen. Zwölf Monate später nämlich erging er sich auf seinem königlichen Palast in Babel. Da begann der König und sprach: Ist das nicht das große Babel, das ich mir erbaut habe zur königlichen Residenz mit meiner gewaltigen Macht und zu Ehren meiner Majestät?“

Daniel 4:25-27


Babel war durch Nebukadnezar zu einer großen und bedeutenden Stadt geworden. Die hängenden Gärten Babylons gelten als eines der Weltwunder der Antike. Er selbst war ein mächtiger und gewaltiger Herrscher. Aber das alles machte Nebukadnezar nur stolz und hochmütig und wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Zwölf ganze Monate wartet Gott. Dieser Umstand, dass Gott langmütig ist und mit dem Gericht nicht sofort kommt sondern Zeit zur Buße gibt wird von dem Sünder benutzt zu sagen, dass da sowieso kein Gericht kommt 2. Mose 34:6; Jona 4:2; Prediger 8:11-12. Ein gewaltiger Irrtum! Eine erschütternde Verwechslung der Langmut Gottes mit der eigenen Sorglosigkeit. Dieser König hatte zwölf Monate Zeit, und dann erhebt sich sein Herz. In Sprüche 6:16-17 zeigt Gott sieben Dinge, die Ihm verhasst sind, und das erste davon sind hohe Augen. „Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade.“ 1. Petrus 5:5, dieser Grundsatz gilt heute genauso wie damals in Babel. Wenn ein Herz sich erhebt, ist das für Gott ein Gräuel. Die Mühlen Gottes mahlen langsam, aber sehr genau: „Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereuen würde. Was er gesagt hat, sollte er es nicht tun? Was er geredet hat, sollte er es nicht ausführen?“ 4. Mose 23:19. Was Gott voraussagt, geschieht exakt. Das galt damals für Nebukadnezar. Das gilt im Blick auf die noch zukünftige Entwicklung in den Zeiten der Nationen. Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, dass sich die biblische Prophetie genau erfüllen wird, so wie sich vieles bereits genau erfüllt hat. Gott lässt durch den Propheten Jesaja sagen: „Und ich werde an dem Erdkreis die Bosheit heimsuchen und an den Gottlosen ihre Schuld; und ich will die Prahlerei der Übermütigen zum Schweigen bringen und den Hochmut der Gewalttätigen erniedrigen.“

Jesaja 13:11.


Geschichtlich gesehen hatte Nebukadnezar nicht Unrecht mit dieser Angeberei. Sanherib hatte die Stadt in Schutt und Asche gelegt, und durch Nebukadnezar war sie wieder aufgebaut worden. Aber so gewaltig das auch gewesen sein mochte, was er dazu getan hatte oder hatte tun lassen, er schrieb sich hier alles selbst zu. Wenn er hier von der Stärke seiner Macht spricht, werden wir an den totalen Gegensatz zu Epheser 6:10 erinnert, wo wir aufgefordert werden stark zu sein in der Macht Seiner Stärke. Es gibt durchaus Macht und Stärke, aber sie ist niemals in einem Menschen! Die Haltung Nebukadnezars erinnert auch an die Einstellung des reichen Kornbauern in Lukas 16:17-20. So sehr auch die Barmherzigkeit und Langmut Gottes eine Realität ist, wenn ihr Vollmaß ungenutzt verstreicht, dann folgt das Gericht. Nebukadnezar hatte alles von Gott empfangen, aber er rühmte sich, als hätte er es nicht empfangen 1. Korinther 4:7 und spricht Worte reinsten Hochmuts. Aber Gott gibt Sein Ziel selbst mit diesem Mann nicht auf und lässt jetzt die schwerste Erprobung von allen über ihn kommen. Es ist eine Warnung an uns, ja nicht hoch von uns selbst zu denken. Wir stehen in der eminenten Gefahr, dass wir uns auf das bisschen, was wir haben, etwas einbilden; wie groß denken wir oft von uns, auch in der Versammlung und wir haben doch aus lauter Gnade alles nur geschenkt bekommen! Bei allen Tagen der Langmut Gottes ist jeder Tag eine besondere Mahnung an das jeweilige Herz. Das hat Nebukadnezar ignoriert. Er hatte die Tage der Langmut Gottes missbraucht und sein Herz ist verstockt worden. Wenn wir die empfangene Gabe von dem Geber selbst lösen, werden wir selbstherrlich und verlieren jede Zugänglichkeit des Herzens bis hin zur Verstockung.


„Noch war das Wort im Mund des Königs, da erklang eine Stimme vom Himmel herab: Dir wird gesagt, König Nebukadnezar: Das Königreich ist von dir genommen! Und man wird dich von den Menschen verstoßen, und du sollst dich bei den Tieren des Feldes aufhalten; mit Gras wird man dich füttern wie die Ochsen, und sieben Zeiten sollen über dir vergehen, bis du erkennst, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es gibt, wem er will! Im selben Augenblick erfüllte sich das Wort an Nebukadnezar: Er wurde von den Menschen ausgestoßen, fraß Gras wie ein Ochse, und sein Leib wurde vom Tau des Himmels benetzt, bis sein Haar so lang wurde wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelkrallen.“

Daniel 4:28-30


Das Geschehen von Daniel 4 ist nicht nur biblisch belegt, sondern wird durch Autoren der antiken Welt bestätigt. Sie bezeugen, dass Nebukadnezar, nachdem er seine großen Kriege geführt hatte, plötzlich für eine bestimme Zeit von der Bildfläche verschwand und erst kurz vor seinem Tod wieder in Erscheinung trat. Sie sagen, dass er zuletzt auf dem Dach seines Palastes gesehen wurde und dann von einer eigenartigen Krankheit getroffen wurde. Gott wartet und gibt Gelegenheit zur Buße. Das Gericht ist angekündigt, aber es wird nicht sofort vollzogen. Leider machen es viele Menschen wie Nebukadnezar. Sie ignorieren und verachten „den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut“ und denken nicht daran, dass die Güte Gottes sie zur Buße leiten will Römer 2:4. Nebukadnezar war oft zurechtgewiesen worden und hatte bis hierhin immer wieder seinen Nacken verhärtet; deshalb folgt jetzt sofort bei diesen hochmütigen Worten das Gericht Sprüche 29:1. Es ist die Stimme des Wächters und Heiligen, die jetzt vom Himmel her ertönt. Nebukadnezar wurde nicht zu einem Tier; sein menschliches Herz wurde verwandelt und ihm wurde das Herz eines Tieres gegeben Daniel 4:14. Damit ist nicht das Organ gemeint, sondern seine menschlichen Empfindungen, Entscheidungen, Urteile. Er blieb in seiner äußerlichen Gestalt eines Menschen, aber er verlor das Gottes-Bewusstsein und verwilderte in seinem Äußeren und lebte bei den Tieren, aber er wurde nicht buchstäblich zu einem Tier. Er lebte mit seiner menschlichen, verwilderten Gestalt wie ein Tier und bei den Tieren und benahm sich wie ein Tier. Gott hat den Menschen in Seinem Bild geschaffen, und davon ist jetzt bei Nebukadnezar überhaupt nichts mehr zu sehen. Wenn der Mensch das Zeugnis Gottes ablehnt, dann wird er auch in seinem Äußeren hingegeben Römer 1:24,26,28.


Gott gibt jedem Menschen eine bestimmte Zeit. So war es bei Noah, bei dem Pharao, und so ist es heute. Die meisten Menschen verpassen diese Zeit. Eine seltene Ausnahme finden wir bei den Bewohnern von Ninive, die die relativ kurze Zeit von nur 40 Tagen nutzten, um echte Buße zu tun. Gott warnt uns Menschen. Er gibt uns Zeit zur Umkehr. Aber wenn wir nicht hören wollen, gibt es keine Schonung. Dieses Prinzip können wir auch in der Regierung Gottes mit seinen Kindern beobachten. Das Volk Israel wurde mehrfach ernstlich gewarnt, bevor es in die Gefangenschaft nach Babel geführt wurde. Auch dieses Gericht war von Gott angekündigt worden. Von den Menschen in der Endzeit wird in 2. Petrus 2:12 und Judas 1:10 geschildert, dass sie wie unvernünftige, natürliche Tiere sich verhalten. Wenn die Moral des Menschen gegen Null geht, wird er in seinem Wesen wie ein Tier, das nur noch seine Bedürfnisse und Triebe befriedigen will. Das traurige Beispiel davon ist der verlorene Sohn in Lukas 15:11–16. Tiefer hinab als bis zu den Tieren geht es für den Menschen nicht. Ein Jahr nach seinem Traum ging der König auf seinem prachtvollen Palast umher. Beim Anblick der Stadt wurde sein Herz mit Stolz erfüllt und sein Mund sprach das aus, was schon lange in seinem Herzen war. Der Herr Jesus sagte einmal: „Aus der Fülle des Herzens spricht der Mund“ Matthäus 12:34. Das bewahrheitet sich hier. Der König nannte die Stadt „das große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit“. Obwohl er von Gott eindeutig vor dieser Sünde gewarnt worden war, beging er sie doch. Die Warnung Gottes löste keine Reaktion bei ihm aus. Er missachtete sie. Er verneinte Gott und rechnete nicht mit Ihm. Er selbst stand im Mittelpunkt seiner Gedanken und Überlegungen.


Alles das, was Gott ihm gegeben hatte; das Königtum, die Macht, die Herrschaft, den Erfolg, den Reichtum; schrieb er sich selbst zu. Er sagte: „Ich habe die Stadt erbaut, und ich habe es durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit getan.“ Nebukadnezar schreibt seinen Erfolg hier nicht einmal seinen Göttern zu, sondern sich selbst. Er war hochmütiger, als er je gewesen war, und illustriert damit den Hochmut und die Arroganz des letzten Weltherrschers, der noch einen Schritt weiter gehen und sich selbst zum Gott machen wird 2. Thessalonicher 2:4. Gott sagt an anderer Stelle: „Meine Ehre gebe ich keinem anderen“ Jesaja 42:8;48:11. Das musste Nebukadnezar nun schmerzlich erfahren. Wenn Gottes Stunde gekommen ist, kann niemand sie mehr aufhalten. Den Obrigkeiten in der Endzeit wird es nicht anders ergehen. Gott wird ihnen eine bestimmte Zeit geben, aber dann kommt der von Ihm festgelegte Zeitpunkt, wo der Herr Jesus auf diese Erde kommt und das große Endgericht beginnt. Gott warnt uns eindringlich vor Stolz und Hochmut: „Stolz und Hochmut und den Weg des Bösen und den Mund der Verkehrtheit hasse ich“ Sprüche 8:13. Gott widersteht dem Hochmut des Menschen. Er lässt uns auch die Folgen wissen: „Das Haus der Stolzen reißt der Herr nieder“ Sprüche 15:25. „Stolz geht dem Sturz, und Hochmut dem Fall voraus“ Sprüche 16:18. Seinem Volk Israel sagte er einmal: „Und ich werde euren starren Hochmut brechen und werde euren Himmel wie Eisen machen und eure Erde wie Erz“ 3. Mose 26:19. Das Gegenteil von Hochmut ist Demut. Diese Tugend lernen wir bei unserem Herrn, der Gott gepriesen in Ewigkeit ist und sich doch zu nichts gemacht hat Philipper 2:5. Er war „von Herzen demütig“ Matthäus 11:29. Er dachte nicht an sich, sondern an andere.So zeitnah, wie nach Nebukadnezars Aussage die Stimme vom Himmel kam, so zeitnah wurde das Gericht ausgeführt. „In demselben Augenblick wurde das Wort über Nebukadnezar vollzogen.“ Er wurde ausgestoßen und aß Kraut wie die Rinder. Sein Körper wurde vom Tau des Himmels benetzt, sein Haar wuchs wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelkrallen. Ein beschämender Anblick, den mächtigsten Mann der damaligen Zeit so erniedrigt zu sehen. Es ist ergreifend, dass jetzt wohl das Urteil angekündigt wird, dass es aber gleich in gewisser Hinsicht begrenzt wird bis zu dem Augenblick, an dem Nebukadnezar zur Einsicht kommen würde. Daniel hatte das auch schon in seiner Deutung des Traumes in Daniel 4:23 angedeutet mit den Worten „sobald du erkannt haben wirst, dass die Himmel herrschen“. Wie unbegreiflich groß ist die Gnade und Barmherzigkeit Gottes, diesen Mann, der bis zur Vermessenheit sein Herz verstockte, doch eine Wiederherstellung zu gewähren. Man hat versucht, das Gericht Gottes als eine natürliche Krankheit zu erklären, für die es medizinische Erklärungen gibt, aber letztlich ist es die Hand Gottes, die dahinter steckt. Gott hatte ihm, dem König der Könige, „die Macht und die Gewalt und die Ehre gegeben“ Daniel 2:37, allerdings hatte er das völlig ignoriert. Er hatte die Gabe Gottes missbraucht, und das ist immer eine ernste Angelegenheit. Nebukadnezar wird einem Tier gleich. Auf ihn trifft das Wort der Söhne Korahs zu: „Der Mensch, der in Ansehen ist und keine Einsicht hat, gleicht dem Vieh, das vertilgt wird“ Psalm 49:21. Aber das gilt nicht nur für Nebukadnezar. Der Prediger schreibt: „Wer weiß vom Odem der Menschenkinder, ob er aufwärts fährt, und vom Odem der Tiere, ob er abwärts zur Erde hinabfährt?“ Prediger 3:22. Gerade das ist es, was den Menschen vom Tier unterscheidet Hiob 32:8.


„Aber nach Verlauf der Zeit hob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel empor, und mein Verstand kehrte zu mir zurück. Da lobte ich den Höchsten und pries und verherrlichte den, der ewig lebt, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt; gegen welchen alle, die auf Erden wohnen, wie nichts zu rechnen sind; er verfährt mit dem Heer des Himmels und mit denen, die auf Erden wohnen, wie er will, und es gibt niemand, der seiner Hand wehren oder zu ihm sagen dürfte: Was machst du?“

Daniel 4:31-32


Der König von Babel war tief erniedrigt worden. Tiefer nach unten ging es nicht. Er gleicht dem jüngeren Sohn des Vaters in Lukas 15, der erst bei den Schweinen landen musste, bevor er zu „sich selbst“ kam und umkehrte. Gott hatte die Zeit bestimmt, in der er ganz unten sein sollte. Am Ende dieser Zeit erhob Nebukadnezar seine Augen zum Himmel. Das war der entscheidende Wendepunkt. Der Blick nach oben veränderte alles. Jetzt schildert Nebukadnezar seine Erlebnisse wieder in der Ich Form, wenn Nebukadnezar hier sagt, dass ihm sein Verstand wieder kam, zeigt uns das, dass er in der Tat wahnsinnig geworden war. Er war nicht buchstäblich zu einem Tier geworden, sondern völlig heruntergekommen und lebte wie ein Tier, weil ihm sein menschlicher Verstand von Gott genommen worden war. Nach Verlauf dieser sieben Jahre konnte er sich seinen Verstand auch nicht selbst wiedergeben, sondern es war das Eingreifen Gottes nötig. Es sind hier die letzten Worte aus dem Mund Nebukadnezars. Offensichtlich ist Gott in Seiner Langmut und in Seiner Güte mit Seinen Wegen mit diesem mächtigen König noch zu Seinem Ziel gekommen. Gott gab ihm darüber hinaus seine Ehre, seine Herrlichkeit und seinen Glanz zurück. Seine Räte und Gewaltigen suchten ihn wieder auf. Am Ende wurde ihm sogar „ausnehmende Größe“ hinzugefügt. Gott setzte ihn nicht nur wieder in seine alte Stellung ein, sondern Er tat mehr. So handelt der Reichtum göttlicher Gnade. „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden,“ Römer 5:20. Gott lässt durch den Propheten Jesaja sagen „Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, all ihr Enden der Erde; denn ich bin Gott und keiner sonst! Ich habe bei mir selbst geschworen, aus meinem Mund ist Gerechtigkeit hervorgegangen, ein Wort, das nicht zurückgenommen wird: Ja, mir soll sich jedes Knie beugen und jede Zunge schwören!“ Jesaja 45:22-23. Nebukadnezar hatte es vorher durch sein Verhalten abgelehnt, seine Knie vor Gott zu beugen. Jetzt hatte er seine Lektion gelernt und rühmte nicht mehr sich selbst, sondern Gott. Das was er zwischen der arroganten Selbstverherrlichung in Vers 27 und dem, was er am Ende sagt, ist beeindruckend. Derjenige, der vorher dachte, er sei das Maß aller Dinge, erkennt nun die Größe und Herrlichkeit Gottes an. Das ist das Ziel Gottes im Leben jedes Menschen. Er möchte geehrt werden.


Gott geht auch mit den Menschen der Welt Seine Erziehungswege bis sie sich demütigen, ohne dass sie unbedingt eine Glaubensbeziehung zu Ihm haben müssen „Hast du nicht gesehen, wie sich Ahab vor mir demütigt? Weil er sich nun vor mir demütigt, will ich das Unheil nicht zu seinen Lebzeiten hereinbrechen lassen; erst zu Lebzeiten seines Sohnes will ich das Unheil über sein Haus bringen!“ 1. Könige 21:29. Aber auch bei uns ist es oft nötig, dass Gott uns demütigt, weil wir es selbst nicht tun. Das kann vieles bedeuten, Verluste, Trauer, Verletzungen, Leid. Er demütigt uns, aber Er tut es in Treue, damit der Name des Herrn Jesus in unserem Leben verherrlicht wird. So manches Leid darf uns daher zum besten dienen. Dass Gott in Seiner Souveränität niemandem Antwort schuldig ist, was Nebukadnezar am Ende von Vers 32 anspricht, wird in vielen weiteren Stellen der Heiligen Schrift bestätigt „Siehe, die Völker sind wie ein Tropfen am Eimer; wie ein Stäubchen in den Waagschalen sind sie geachtet; siehe, er hebt die Inseln auf wie ein Staubkörnchen!“ Jesaja 40:15. Er ist erhabener als ein Mensch, und über all Sein Tun gibt Er keine Antwort „Siehe, da bist du nicht im Recht, er­widere ich dir; denn Gott ist größer als der Mensch! Warum rechtest du denn mit ihm, da er doch keine seiner Taten zu verantworten hat?“ Hiob 33:12-13.


„Zur selben Zeit kam mir mein Verstand zurück, und mit der Ehre meines Königtums kehrte auch meine Herrlichkeit und mein Glanz zurück; meine Räte und meine Großen suchten mich auf, und ich wurde wieder über mein Königreich gesetzt und erhielt noch größere Macht. Nun lobe und erhebe und verherrliche ich, Nebukadnezar, den König des Himmels; denn all sein Tun ist richtig, und seine Wege sind gerecht; wer aber hochmütig wandelt, den kann er demütigen!«“

Daniel 4:33-34


Es sind hier die letzten Worte aus dem Mund Nebukadnezars. Offensichtlich ist Gott in Seiner Langmut und in Seiner Güte mit Seinen Wegen mit diesem mächtigen König noch zu Seinem Ziel gekommen. Dass diese Veränderung bei Nebukadnezar auch seine Auswirkung auf die Juden hatte, die bei ihm in der Gefangenschaft lebten, wird aus einem Vergleich von Jeremia 51:34 und Jeremia 52:31-34 deutlich. Dort finden wir zunächst die Schilderung der Grausamkeiten dieses Königs gegen die „Bewohnerin von Zion“. Jeremia 52 zeigt dann das Verhalten seines Sohnes Ewil-Merodak, der gütig zu den Juden redete. Nebukadnezar muss wohl seinen Nachkommen von seinen Erfahrungen mit diesem ewigen Gott weitergegeben haben. Können wir eigentlich hier am Ende von Daniel 4 von einer echten Bekehrung Nebukadnezars sprechen?


Der Text gebraucht vier verschiedene Ausrücke für das Lob Nebukadnezars. Er preist, er rühmt, er verherrlicht und er erhebt Gott. Das zeigt deutlich, dass Nebukadnezar nicht mehr an sich denkt, sondern alles Gott zuschreibt. Es fällt zwar auf, dass er in den Versen 33 und 34 insgesamt zwölfmal die Worte „ich“, „mir“ und „mein“ gebraucht, aber der Kontrast zu seiner Aussage in Vers 27 ist dennoch augenscheinlich. In Vers 27 ist er derjenige, der sich selbst alles zuschreibt. In den Versen 33 und 34 ist er derjenige, der alles von Gott bekommt und Ihn dafür lobt und preist. Der Unterschied zu seinen Aussagen am Ende von Kapitel 2 und 3 ist bemerkenswert. Zuerst hatte er anerkannt, dass Daniels Gott der Gott der Götter und Herr der Könige war. Aber er hatte nicht Gott, sondern Daniel angebetet Daniel 2:46-47. Danach hatte er den Gott der Freunde Daniels gepriesen und ein Dekret erlassen, dass niemand etwas gegen diesen Gott sagen sollte Daniel 3:28-29. Bis zu diesem Zeitpunkt war sein Herz jedoch nicht verändert. Das hatte Gott jetzt erreicht, und das findet sich in seinem Lobpreis und Bekenntnis wieder.


Diese Verse enthalten gewisse Aussagen, die darauf schließen lassen. In Daniel 3:31–33 diese Verse sind ja eine vorweggenommene Zusammenfassung dessen, was Gott in Daniel 4 mit Nebukadnezar erreicht hat; sagt Nebukadnezar zum ersten Mal, dass der höchste Gott etwas an ihm getan hatte. Daraus können wir doch den Schluss ziehen, dass es sich hier wirklich um eine wirkliche Umkehr dieses Königs gehandelt hat, neutestamentlich würden wir sagen, dass er sich bekehrt hat. hat. Er hat Gott in seinen Worten verherrlicht und Ihm dafür Dank dargebracht Römer 1:21, dass Er ihn wieder eingesetzt hatte und ihm sogar noch mehr gegeben hatte als er vorher besessen hatte. Bei ihm sind die Reaktionen zu erkennen, die dem ewigen Evangelium entsprechen Offenbarung 14:7, Ihn als Schöpfer-Gott zu erkennen. Nebukadnezar ist ja nicht zum Judentum übergetreten, das bestand ja zu seiner Zeit nur in Gefangenschaft, aber zu dem ewigen Gott scheint er sich doch in aller Aufrichtigkeit gewandt zu haben. Was Gott getan hatte, war in Übereinstimmung mit Seinem Wesen, und Sein regierendes Handeln war auch genau das Richtige in der jeweiligen Situation. Dann spricht er noch von dem Erniedrigen, aber nicht mehr davon, dass Gott ihn danach wieder erhöht hatte. Der Schlusspunkt seines Lobes ist, dass er die Erniedrigung von Gott angenommen hatte.


Dass es bei Nebukadnezar diesmal echt war und nicht wie die vorigen Male nur ein äußeres Bekenntnis, macht auch der Umstand deutlich, wie Gott mit seiner Wiederherstellung verfährt. Er hatte ihm den Verstand genommen, und Er hatte ihm diesen dann wiedergegeben. Damit nicht genug kamen ihm zur Ehre seines Königtums auch seine Ehre und sein Glanz wieder, und ausnehmende Größe wurde ihm hinzugefügt.

Daniel Lektion 4

„Ich, Nebukadnezar, lebte sorglos in meinem Haus und glücklich in meinem Palast. Da hatte ich einen Traum, der mich erschreckte, und die Ged...