Donnerstag, 22. Oktober 2020

Daniel Lektion 4

„Ich, Nebukadnezar, lebte sorglos in meinem Haus und glücklich in meinem Palast. Da hatte ich einen Traum, der mich erschreckte, und die Gedanken auf meinem Lager und die Gesichte meines Hauptes ängstigten mich. Und es wurde von mir Befehl gegeben, alle Weisen Babels vor mich zu bringen, damit sie mir die Deutung des Traumes verkündeten. Sogleich kamen die Traumdeuter, Wahrsager, Chaldäer und Zeichendeuter herbei, und ich erzählte vor ihnen den Traum; aber sie konnten mir seine Deutung nicht verkünden,“

Daniel 4:1-4


Wie wenige denken daran, dass der Versucher einst ein schirmender Cherub war. Satan fiel von seiner hohen Stellung durch Selbsterhöhung; er missbrauchte die großen Fähigkeiten, die Gott ihm so reichlich verliehen hatte. Er fiel aus demselben Grund, aus dem heute so viele fallen: aufgrund des Ehrgeizes, der Erste zu sein, sowie der Unwilligkeit, eingeschränkt zu werden. Der Herr möchte dem Menschen die Lehre erteilen, dass er nicht eher gerettet ist, bis ihm das Siegel Gottes aufgedrückt wird, selbst wenn er ein Gemeindeamt innehat. ... Der Herr hat ein Werk für uns alle. Und wenn die Wahrheit nicht im Herzen gewurzelt ist, wenn die natürlichen Charakterzüge nicht vom Heiligen Geist umgewandelt worden sind, können wir nie Mitarbeiter Jesu Christi sein. Das „Ich“ wird dauernd auftauchen, und der Charakter Christi wird in unserem Leben nie offenbar werden. Was Nebukadnezar hier schreibt, ist zu seiner tiefen Demütigung, aber er schreibt es an alle Völker. Er schreibt, damit die Menschen seines Reiches wüssten, wie es dazu gekommen ist, dass er jetzt auf einmal ein ganz anderer war. Er sitzt da in seinem Palast und hatte Gedeihen; er war ein mit sich und der Welt zufriedener und glücklicher Mensch, nur leider ohne Gott. Er hatte erreicht, was er erreichen wollte, sein Reich war soweit in Frieden. Eine Zeit der Muße, der Sorglosigkeit und des Übermuts ist auch für den König David eine Gefahr und ein Fallstrick geworden 2. Samuel 11:1-2. Hat das nicht auch uns etwas zu sagen? Wieviel Muße haben wir oft, und gerade in unseren Tagen des Internets sind die Gefahren so groß, dass wir in solchen freien Augenblicken gerade durch diese vielfältigen fleischlichen Anreize zu Fall kommen!


Von Satan erklärt der Herr, dass er nicht in der Wahrheit blieb. Einst war er herrlich, erstrahlend im Licht. Doch Gottes Wort sagt von ihm: „Weil sich dein Herz erhebt, weil du so schön bist.“ Satan stiftete andere zum Aufruhr an, und nachdem sie aus dem Himmel geworfen waren, schloss er sie in einem Bund zusammen, dem Menschen alles nur erdenkbar Böse zuzufügen: als einziges Mittel, Gott zu treffen. Ausgeschlossen aus dem Himmel beschloss er, sich durch Zerstörung des Schöpferwerkes Gottes zu rächen... Satans Ziel war es gewesen, seinen eigenen Charakter in den Menschen zu vervielfältigen. Sobald der Mensch geschaffen war, beschloss Satan, das Bild Gottes im Menschen auszulöschen und seinen Stempel aufzudrücken, wo Gottes Stempel sein sollte. Und er war erfolgreich, im Herzen des Menschen den Geist des Neides, Hasses und des Ehrgeizes einzuflößen. In dieser Welt hat er ein Reich der Finsternis aufgerichtet, dessen Fürst er ist, der Anführer in der Schuld. Er begehrte, sich den Thron Gottes anzumaßen. Nachdem dies fehlgeschlagen war, wirkte er im Dunkeln, in Unehrlichkeit und Täuschung, um sich seinen Platz im Herzen der Menschen anzumaßen. Er hat seinen Thron zwischen Gott und dem Menschen aufgestellt, um die Anbetung, die allein Gott gebührt, in Anspruch zu nehmen.


Nebukadnezar bekam wieder einen Traum, und diesmal vergaß er den Traum nicht. Ganz genau hatte sich dieser Traum in sein Gedächtnis eingegraben, jede Einzelheit. Und dieser Traum beängstigte ihn, obwohl er seine Bedeutung noch nicht verstand. Nebukadnezar empfindet wohl, dass über dem blauen Himmel sich Wolken zusammenziehen, die wahrscheinlich ihn zum Ziel haben. Und wieder ruft er seine Weisen zusammen, und wieder vermögen sie nicht, ihm den Traum zu deuten. Offenbar aber hatte er Daniel dabei vergessen, obwohl er ihn doch zum Obersten aller Weisen von Babel gemacht hatte.


„bis zuletzt Daniel vor mich kam, der Beltsazar heißt nach dem Namen meines Gottes, und in welchem der Geist der heiligen Götter ist; vor dem erzählte ich meinen Traum: Beltsazar, du Oberster der Schriftkundigen, von dem ich weiß, dass der Geist der heiligen Götter in dir ist und dass kein Geheimnis dir zu schwierig ist, [vernimm] das Traumgesicht, das ich gesehen habe, und sage mir, was es bedeutet! Das sind aber die Gesichte meines Hauptes auf meinem Lager: Ich schaute, und siehe, es stand ein Baum mitten auf der Erde, und seine Höhe war gewaltig.“

Daniel 4:5-7


Das Reinigungs- und Läuterungswerk Gottes muss so lange fortgesetzt werden, bis seine Diener so gedemütigt und dem „Ich“ abgestorben sind, dass sie nur die Ehre Gottes im Auge haben, wenn sie zu tätigem Dienst berufen werden. Nebukadnezar holt den Daniel scheinbar nur aus Verlegenheit, weil er mit seinen eigenen Leuten nicht weiter kam. Daraus wird deutlich, dass er mit Daniel keine Wesensverbindung hatte, er war ihm ein Fremder geblieben. Der Traum war ein Traum des Himmels, aber die Philosophen dieser Welt kennen nur die Gedanken dieser Erde, sie können nicht deuten, was vom Himmel kommt. Ist das aber nicht auch eine Auszeichnung für Daniel, dass er getrennt von ihnen erwähnt wird? Obwohl Nebukadnezar ihn zu einem dieser Männer gemacht hatte, gehörte er doch nicht zu ihnen. Man konnte ihn unterscheiden von den anderen, offensichtlich war er in seinem Lebenswandel geprägt durch Trennung. Von uns wird auch gesagt, dass wir wohl in der Welt sind, aber nicht von der Welt sind Johannes 17:11-14. Wie weit entsprechen wir dem in unserem praktischen Verhalten? Wir leben in den letzten Tagen dieser Weltgeschichte, und wir mögen über nichts erstaunt sein, was Abfall und Leugnung der Wahrheit betrifft. Der Unglaube ist inzwischen eine Kunst geworden, die Menschen zum Verderben ihrer Seele betreiben. Die Stimme der Warnung und Mahnung aber wird gehört werden, solange Gnadenzeit ist. Nebukadnezar wusste ganz genau Bescheid, dass in dem Daniel ein Mann da war, der fähig war, Dinge zu erläutern und zu deuten, die seinen eigenen Schriftgelehrten verborgen blieben. Er nimmt also jetzt Zuflucht zu einem Mann, zu dem keine Wesensverbindung bestand und redet ihn mit seinem heidnischen Namen Beltsazar an. Er hätte lieber seine natürlichen Hilfsquellen benutzt und Daniel gar nicht gebraucht, so wie es auch bei uns noch sein kann, dass wir zu den geistlichen Quellen erst dann Zuflucht nehmen, wenn die natürlichen Hilfsmittel versagen. Aber da sich sein Herz ängstigte und ihm keine Ruhe mehr ließ, nimmt er es in Kauf, diesen Beltsazar zu holen und zu ihm zu sprechen.


„Der Baum war groß und stark, und sein Wipfel reichte bis an den Himmel, und er war bis ans Ende der ganzen Erde zu sehen. Sein Laub war schön und seine Frucht reichlich, und Nahrung für alle fand sich an ihm; unter ihm suchten die Tiere des Feldes Schatten, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen, und von ihm nährte sich alles Fleisch. Ich schaute in den Gesichten meines Hauptes auf meinem Lager, und siehe, ein heiliger Wächter stieg vom Himmel herab; und er rief mit gewaltiger Stimme und sprach: Haut den Baum um und schlagt seine Äste ab! Streift sein Laub ab und zerstreut seine Früchte; die Tiere unter ihm sollen wegfliehen und die Vögel von seinen Zweigen! Aber seinen Wurzelstock sollt ihr in der Erde lassen, und zwar in Fesseln aus Eisen und Erz im Gras des Feldes, damit er vom Tau des Himmels benetzt werde und mit den Tieren Anteil habe an den Kräutern der Erde. Sein menschliches Herz soll verwandelt werden, und es soll ihm ein tierisches Herz gegeben werden; und sieben Zeiten sollen über ihm vergehen. Im Rat der Wächter wurde das beschlossen, und von den Heiligen wurde es besprochen und verlangt, damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es gibt, wem er will, und den Niedrigsten der Menschen darüber setzt! Diesen Traum habe ich, der König Nebukadnezar, gesehen; du aber, Beltsazar, gib die Auslegung, weil alle Weisen meines Reiches nicht imstande sind, mir die Deutung zu verkünden; du aber kannst es, weil der Geist der heiligen Götter in dir ist!“

Daniel 4:8-15


Ach, wie schrecklich wird Gottes Werk durch menschlichen Eigensinn und zügelloses Temperament entstellt! Wie viel Leid bringt der Mensch über sich selbst, indem er seinen halsstarrigen Neigungen folgt! Gott nimmt sich die Menschen immer wieder vor. Er verstärkt ihre Belastung, bis vollkommene Demut und die Umwandlung ihres Charakters sie in Einklang mit Christus und dem Geist des Himmels bringen und sie sich selbst überwinden. Es ist eigentlich erstaunlich für Gottes Wort, das ja nicht dadurch gekennzeichnet ist, dass es sich ständig wiederholt oder ganze Abschnitte einfach wiederholt werden. Aber hier ist es so. Es muss Gott sehr wichtig sein, sodass Er die Beschreibung fast Wort für Wort wiedergibt. Hilfreich ist deshalb zu unterscheiden wie Nebukadnezar den Traum uns darstellt, Daniel den Traum wiederholt und dann der Traum gedeutet wird. Der Traum zeigt uns, dass die Regenten der Weltmächte sich selbst in den Mittelpunkt stellen und erhöhen. Die Macht und Autorität, die Gott ihnen gibt, werden benutzt, um sich selbst in Stolz und Hochmut zu präsentieren. Wenn man Gott und seine Gedanken an die Seite stellt, wird der Mensch wie ein Tier, das keinen Verstand hat und ohne jeden Bezug zu Gott lebt. Auch das finden wir in der extremsten Form am Ende der Zeit der Nationen. Nicht umsonst wird der letzte Weltherrscher ein „Tier“ genannt Offenbarung 13:1.


Es ist ein eindrucksvoller Beweis für die Wahrheit der Worte Salomos „Stolz kommt vor dem Zusammenbruch, und Hochmut kommt vor dem Fall.“

Sprüche 16:18, das macht die Geschichte Nebukadnezars sehr deutlich, „Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade.“

Jakobus 4:6; 1. Petrus 5:5. Wir lernen gleichzeitig, dass Umkehr zu Gott immer möglich ist. Gott lässt einen Menschen nicht am Boden liegen. Wer zu Ihm aufsieht und sich demütigt, findet Gnade und Wiederherstellung.


„Da blieb Daniel, den man Beltsazar nennt, eine Weile ganz starr, und seine Gedanken erschreckten ihn. Der König ergriff das Wort und sprach: Beltsazar, der Traum und seine Deutung dürfen dich nicht erschrecken! Beltsazar antwortete und sprach: Mein Herr, der Traum gelte deinen Hassern und seine Auslegung deinen Feinden!“

Daniel 4:16


Bevor der Traum interpretiert wird, zeigt uns der biblische Bericht, wie Daniel auf die Ansprache des Königs reagierte. Anders als in Kapitel 2 hatte Daniel offensichtlich sofort verstanden, was der Traum bedeutete. Dennoch schwieg er eine Zeitlang. Er „entsetzte sich“ und „seine Gedanken ängstigten ihn“. Der König schien das bemerkt zu haben und ermutigte ihn zu reden. Bevor Daniel dann auf den Traum einging, sagte er zunächst zum König: „Mein Herr, der Traum gelte deinen Hassern und seine Deutung deinen Feinden.“ War es denn nun gut und richtig, dass er hier starr vor Entsetzen wurde? Verständlich war es bestimmt, denn der König Nebukadnezar war ihm nicht egal, er hatte offensichtlich ein gewisses Mitgefühl mit ihm. Daniel befand sich in der Macht dieses unberechenbaren König. Was Gott tut, ist immer gerecht, aber auf unserer Seite sollte jeder Gedanke von Genugtuung und innerer Freude darüber ausgeschlossen sein. In der Bergpredigt sagt der Herr: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ Matthäus 5:44. Es gibt Menschen, die in offener Gottlosigkeit ihren Weg gehen. Dennoch sollte bei uns nie der Gedanke aufkommen, dass es gut ist, wenn sie einmal von Gott bestraft werden. Im Gegenteil: Wir wollen uns die Barmherzigkeit schenken lassen, Gefühle des Mitleids für sie zu haben wie es Daniel mit dem König Nebukadnezar hatte.


Paulus fordert Timotheus auf, für Menschen in Hoheit zu beten 1. Timotheus 2:1. Für uns scheint das relativ einfach zu sein. Für Timotheus und die Gläubigen damals schloss es ein, für einen grausamen Herrscher wie Kaiser Nero zu beten, einen Mann, der Paulus am Ende getötet hat. Gott ist ein Heiland, der alle Menschen retten will. Deshalb brauchen wir einen ähnlichen Charakter wie Daniel oder Paulus im Blick auf die Menschen um uns herum.


„Der Baum, den du gesehen hast, so groß und stark, dass sein Wipfel bis zum Himmel reichte, und der über die ganze Erde zu sehen war, der so schönes Laub hatte und so reiche Früchte trug und an dem sich Nahrung für alle fand, unter dem sich die Tiere des Feldes aufhielten und in dessen Zweigen die Vögel des Himmels wohn­ten — dieser [Baum] bist du, o König, der du so groß und stark geworden bist und dessen Majestät so groß ist, dass sie bis zum Himmel reicht, und deine Herrschaft bis ans Ende der Erde.“

Daniel 4:17-19


Ein Baum ist in der Bibel oft ein Symbol, das entweder mit Frucht in Verbindung gebracht wird zum Beispiel Psalm 1:3; Jeremia 17:8, oder von einem Platz hoher Würde und Bedeutung spricht zum Beispiel Richter 9:8; Hesekiel 17:24. Israel wird mehrfach mit einem Baum verglichen. Gott nennt das Volk einen „Weinstock“ und „Feigenbaum“ Joel 1:7 und vergleicht es mit einem „grünen Olivenbaum, schön an herrlicher Frucht“ Jeremia 11:16. In Matthäus 13 steht der große Baum symbolisch für Gottes letzte Gemeinde. Aus einem kleinen Senfkorn wurde ein großer Baum, in dem die Vögel des Himmels sich niederlassen Matthäus 13:31-32. Der Baum jedoch, von dem Nebukadnezar träumte, symbolisiert die Macht, die Gott ihm als dem ersten Vertreter der Herrscher in der Zeit der Nationen gegeben hatte. In diesem Sinn ist der Baum das Bild eines Regierungssystems bzw. des Regenten dieses Systems. Daniel sagt klar und unmissverständlich in seiner Deutung: „Der Baum bist du.“ Es geht also um den König selbst, wobei man den König nicht von seinem Reich trennen kann. Vers 19 betont, dass Nebukadnezar groß und stark geworden war, dass seine Größe wuchs und bis an den Himmel reichte und seine Herrschaft bis ans Ende der Erde. Der Baum machte nach außen einen gewaltigen Eindruck und wurde von den Menschen bewundert. Es ist also ganz schlicht eine Beschreibung von der Größe und Erhabenheit dieses Königs, wo selbst alle Tiere unter seinem Schutz Gedeihen und alle Annehmlichkeiten des Lebens finden. Aber wenn es heißt, dass der Baum bis an den Himmel wuchs, dann ist darin auch die Selbstüberhebung Nebukadnezars angedeutet. Ein Unterschied zu der alles umfassenden Machtfülle unseres Herrn Jesus Christus bleibt allerdings bestehen. Nebukadnezar ist niemals mit der Macht über die Fische des Meeres ausgerüstet worden. Von unserem Herrn Jesus Christus heißt es „Du hast ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände gemacht; alles hast du unter seine Füße gelegt: Schafe und Rinder allesamt, dazu auch die Tiere des Feldes; die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was die Pfade der Meere durch­zieht.“

Psalmen 8:7-9, diese Herrlichkeit hat unser Herr Jesus Christus ganz allein.


„Dass aber der König einen heiligen Wächter vom Himmel herabsteigen sah und sagen hörte: Haut den Baum um und verderbt ihn; aber seinen Wurzelstock lasst in der Erde, und zwar in Fesseln von Eisen und Erz im Gras des Feldes, dass er vom Tau des Himmels benetzt werde und seinen Anteil habe mit den Tieren des Feldes, bis sieben Zeiten über ihm vergangen sind!, das hat, o König, folgende Bedeutung, und dies ist der Beschluss des Höchsten, der über meinen Herrn, den König, ergangen ist: Man wird dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wirst du dich aufhalten; und man wird dich mit Gras füttern wie die Ochsen und dich vom Tau des Himmels benetzen lassen; und es werden sieben Zeiten über dir vergehen, bis du erkennst, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es gibt, wem er will! Weil aber davon die Rede war, man solle den Wurzelstock des Baumes belassen, so wird auch dir dein Königtum wieder zuteil werden, sobald du erkennen wirst, dass der Himmel herrscht.“

Daniel 4:20-23


Auf die Beschreibung des Baumes folgt die Ankündigung des Gerichts durch einen himmlischen Boten. In der Beschreibung des Wächters sehen wir, dass Gott auch in der Zeit der Nationen darüber wacht, wie die Herrscher ihre verliehene Macht ausüben und wie Er zu Seiner Zeit eingreift. Und die Beschreibung des Heiligen erinnert uns daran, dass Er Seinen Maßstab der Heiligkeit anlegt an diese Menschen. Gott hatte gewacht und stieg selbst vom Himmel herab. Dem Auge Gottes entgeht nichts. Er sieht vom Himmel auf die Erde und in die Herzen der Menschen. Er kannte den Hochmut des Königs und Er schickte einen Boten vom Himmel, um zu ihm zu reden. Der „Wächter und Heilige“ ist offensichtlich ein Engel vom Himmel. Eigentlich handelt es sich um einen einzigen Ausdruck „der Engel des Herrn“. Man könnte auch sagen: ein „heiliger Wächter“. Engel sind im Alten wie im Neuen Testament Diener Gottes Psalm 104:4; Hebräer 1:7,14. Nebukadnezar hatte von seinen eigenen Göttern gesprochen, aber nun antwortet der Gott des Himmels durch einen seiner Boten, der vom Himmel herabsteigt.


Diese Selbst-Überhebung Nebukadnezars ist in den Augen Gottes etwas ungemein Böses, und als der Wächter Seiner eigenen Heiligkeit und Ehre musste Er darauf in Gericht antworten. Es ist ein doppeltes Gericht, das Daniel aus dem Traum heraus ankündigt. „Haut den Baum um“: einerseits würde ihm seine Herrschaft für eine Zeit weggenommen werden, „und verderbt ihn“: andererseits würde er durch Gott in den Zustand eines Tieres degradiert werden. Der Baum sollte also nicht komplett vernichtet, wohl aber abgehauen und verdorben werden. Seine Zweige sollten weggeschnitten, sein Laub abgestreift und seine Frucht umhergestreut werden. Die Tiere unter ihm sollten fliehen. Das zeigt klar, dass es mit dem Baum zunächst ein Ende haben würde. All das, was der Baum für andere darstellte, war dahin. Was blieb, war für das menschliche Auge unsichtbar.


Was der Engel zu sagen hatte, ist „ein Beschluss der Wächter“ und „ein Befehl der Heiligen“ Daniel 4:14. Es ist gleichzeitig und das gibt dieser Aussage noch mehr Gewicht ein „Beschluss des Höchsten“ Daniel 4:21. Das ist niemand anderes als Gott selbst, der über jede irdische Macht weit erhoben ist. Das alles steht im deutlichen Gegensatz zu den Göttern Babels. Von diesen Göttern hatte Jesaja lange vorher gesagt „Bel krümmt sich; Nebo ist zusammengebrochen; ihre Bilder sind den Tieren und dem Vieh aufgeladen; eure Prozessionsbilder sind ihnen zur schweren Last geworden, eine Bürde für das erschöpfte Vieh.“

Jesaja 46:1. Aber es ist doch erstaunlich, dass es ein zeitliches Gericht bleibt, denn der Wurzelstock sollte in der Erde bleiben. Wenn der Wurzelstock eines Baumes in der Erde bleibt, so gibt es Hoffnung Hiob 14:7-9. So groß ist die Gnade Gottes, dass selbst in diesem Gericht noch Hoffnung angedeutet bleibt. Eisen und Kupfer dieser Fesseln des Wurzelstocks sprechen von der Festigkeit (Eisen) und der göttlichen Gerechtigkeit (Kupfer) des Gerichts. Es sind Mittel in der Hand Gottes, einmal das Königtum zu bewahren, damit es Nebukadnezar wieder gegeben werden könnte; es sind aber auch Mittel Gottes, Nebukadnezar selbst zu erhalten in diesen sieben Jahren. Gott hatte vor, diesen Baum wieder sprossen zu lassen. Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit göttlichen Handelns, und hier hat Gott eine vollkommene Zeit der Zucht, ein zeitlich befristetes Gericht über Nebukadnezar ausgeübt, die dazu führte, dass er zu einer gewissen Erkenntnis Gottes kam. Sieben Zeiten stehen für sieben Jahre, aber sie haben absolut nichts mit der Trübsal zu tun. Sie reden von der Fülle der Zeiten der Nationen; diese Zeit wird gekennzeichnet sein durch das, was wir hier haben: Hochmut, man vergisst, dass Gott die Macht gibt, dass man einfach Gott ausschaltet und sich noch höher macht, als man schon hoch zu sein meint. Diese sieben Zeiten sind also eine Beschreibung der Fülle der Zeiten der Nationen, wie sie sich von Anfang bis Ende darstellen werden.


„Darum, o König, lass dir meinen Rat gefallen und brich mit deinen Sünden durch Gerechtigkeit und mit deinen Missetaten durch Barmherzigkeit gegen Elende, wenn dein Wohlergehen dauerhaft sein soll!“

Daniel 4:24


Daniel hatte die Deutung des Traumes angezeigt, und jetzt kommt mit dieser Mahnung sein letztes Wort an den König. Er tut darin in aller Bescheidenheit einen evangelistischen Dienst, sicherlich mit innerlichem Zittern, aber er spricht dennoch Klartext. Daniel ist sich seiner untergeordneten Stellung bewusst und sagt: „Darum, o König, lass dir meinen Rat gefallen.“ Eine ähnliche Verhaltensweise finden wir bei Paulus, der den Statthalter Festus in seiner Ansprache mit „vortrefflichster Festus“ anredete Apostelgeschichte 26:25. Davon können wir lernen. Die Botschaft des Evangeliums gibt uns nicht die Freiheit, menschliche Autoritäten zu ignorieren. Petrus schreibt: „Ehrt den König“ 1. Petrus 2:17. Das gilt für alle von Gott gegebenen Autoritäten. Hätten wir auch den Mut, mal in unserer nächsten Umgebung eine klare Botschaft zu verkündigen? Es ist eine zeitlos gültige Botschaft, die Daniel bringt: wenn wir je Gelingen haben wollen, dann müssen wir brechen mit unseren Sünden. Die Sünden, von denen Nebukadnezar lassen sollte, waren nicht nur allgemein sein Hochmut, sondern auch seine übergroße Grausamkeit und die Einbildung auf seine eigene Kraft, die in Habakuk 1:6-11 beschrieben wird. Für Nebukadnezar gab es eine Möglichkeit, dem Urteil Gottes zu entkommen. Jedenfalls deutet Daniel das an. Der Traum beinhaltete eine klare Warnung. Er glich einer Weissagung mit Bedingungen. Wer seine Übertretungen bekennt und lässt, wird Barmherzigkeit erlangen Sprüche 28:13. Wieviel Langmut hat Gott mit Seinem irdischen Volk gehabt, wieviel Propheten hatte Er gesandt Jeremia 7:25. Und wenn wir an die Geschichte der Kirche Gottes auf der Erde denken, wie sie in den Sendschreiben vorgestellt wird, dann haben wir nur zwei Sendschreiben, wo Gott nichts zu tadeln hatte. In allen anderen Sendschreiben ruft Er zur Buße auf zum Beispiel Offenbarung 2:21.


Nebukadnezar hatte seine Chance. Doch er verpasste sie. Bei allem Respekt vor dem König war Daniel gleichzeitig sehr mutig. Er kannte den König. Er kannte seinen Lebensstil. Er kannte seine Unbeherrschtheit. Dennoch sagte er ihm die Wahrheit und forderte ihn zur Buße auf. Er sollte mit seinen Sünden brechen, sonst würde der Friede keinen Bestand haben. Wir wollen auch daraus für uns lernen, langmütig zu sein und abwarten zu können, ob nicht das Vorstellen der Wahrheit und der Aufruf zur Buße Früchte trägt; dass wir nicht zu schnell handeln, sondern abwarten, ob Gott nicht ein Werk zur Umkehr und zur Buße wirken kann. Hier hat Gott das ein Jahr lang getan, aber es hatte keine Frucht bei Nebukadnezar bewirkt. Daniel stellte den Sünden die Gerechtigkeit und der Ungerechtigkeit die Barmherzigkeit gegenüber. Sünden und Gerechtigkeit haben es mit dem Verhalten Gott gegenüber zu tun. Ungerechtigkeit und Barmherzigkeit beziehen sich mehr auf das Verhalten Menschen gegenüber. Offensichtlich war der König in beiden Fällen schuldig geworden. Praktizierte Gerechtigkeit und erkennbares Mitleid wären der Beweis einer inneren Umkehr gewesen.


Wenn Gott in diesem Traum nun das Urteil über Nebukadnezar schon vorhergesagt hatte, besaß er dann überhaupt noch die Möglichkeit zur Umkehr? Wir müssen bei dieser Frage zwischen den Regierungswegen Gottes und Seinem Ratschluss unterscheiden. Wir können das mit der Botschaft Jonas an Ninive vergleichen. Ninive sollte in vierzig Tagen umgekehrt werden Jona 3:4. Die Leute von Ninive nahmen diese Botschaft zu Herzen. Sie taten Buße und das Gericht wurde aufgeschoben. In dem regierenden Handeln Gottes gibt Er immer noch die Möglichkeit der Umkehr. Auch Nebukadnezar hätte die Möglichkeit gehabt, in seinem Herzen umzukehren. Nebukadnezar wird hier nicht zum ersten Mal gewarnt. Gott war ihm bereits mehrfach in den Weg getreten. „Doch in einer Weise redet Gott und in zweien, ohne dass man es beachtet“ Hiob 33:14. „Siehe, das alles tut Gott zwei-, dreimal mit dem Mann“ Hiob 33:29. So war es in der Zeit Noahs, des Predigers der Gerechtigkeit, der ebenfalls das Gericht ankündigte 1. Petrus 3:20. So war es bei Pharao, über den zehn Plagen kamen, bevor Gott schließlich das finale Gericht über ihn brachte. So war es nach der Kreuzigung, als Gott vierzig Jahre wartete, bis das Gericht über Jerusalem kam. So ist es bis heute „Der Herr zögert nicht die Verheißung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe.“ 2. Petrus 3:9.


„Dies alles ist über den König Nebukadnezar gekommen. Zwölf Monate später nämlich erging er sich auf seinem königlichen Palast in Babel. Da begann der König und sprach: Ist das nicht das große Babel, das ich mir erbaut habe zur königlichen Residenz mit meiner gewaltigen Macht und zu Ehren meiner Majestät?“

Daniel 4:25-27


Babel war durch Nebukadnezar zu einer großen und bedeutenden Stadt geworden. Die hängenden Gärten Babylons gelten als eines der Weltwunder der Antike. Er selbst war ein mächtiger und gewaltiger Herrscher. Aber das alles machte Nebukadnezar nur stolz und hochmütig und wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Zwölf ganze Monate wartet Gott. Dieser Umstand, dass Gott langmütig ist und mit dem Gericht nicht sofort kommt sondern Zeit zur Buße gibt wird von dem Sünder benutzt zu sagen, dass da sowieso kein Gericht kommt 2. Mose 34:6; Jona 4:2; Prediger 8:11-12. Ein gewaltiger Irrtum! Eine erschütternde Verwechslung der Langmut Gottes mit der eigenen Sorglosigkeit. Dieser König hatte zwölf Monate Zeit, und dann erhebt sich sein Herz. In Sprüche 6:16-17 zeigt Gott sieben Dinge, die Ihm verhasst sind, und das erste davon sind hohe Augen. „Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade.“ 1. Petrus 5:5, dieser Grundsatz gilt heute genauso wie damals in Babel. Wenn ein Herz sich erhebt, ist das für Gott ein Gräuel. Die Mühlen Gottes mahlen langsam, aber sehr genau: „Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereuen würde. Was er gesagt hat, sollte er es nicht tun? Was er geredet hat, sollte er es nicht ausführen?“ 4. Mose 23:19. Was Gott voraussagt, geschieht exakt. Das galt damals für Nebukadnezar. Das gilt im Blick auf die noch zukünftige Entwicklung in den Zeiten der Nationen. Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, dass sich die biblische Prophetie genau erfüllen wird, so wie sich vieles bereits genau erfüllt hat. Gott lässt durch den Propheten Jesaja sagen: „Und ich werde an dem Erdkreis die Bosheit heimsuchen und an den Gottlosen ihre Schuld; und ich will die Prahlerei der Übermütigen zum Schweigen bringen und den Hochmut der Gewalttätigen erniedrigen.“

Jesaja 13:11.


Geschichtlich gesehen hatte Nebukadnezar nicht Unrecht mit dieser Angeberei. Sanherib hatte die Stadt in Schutt und Asche gelegt, und durch Nebukadnezar war sie wieder aufgebaut worden. Aber so gewaltig das auch gewesen sein mochte, was er dazu getan hatte oder hatte tun lassen, er schrieb sich hier alles selbst zu. Wenn er hier von der Stärke seiner Macht spricht, werden wir an den totalen Gegensatz zu Epheser 6:10 erinnert, wo wir aufgefordert werden stark zu sein in der Macht Seiner Stärke. Es gibt durchaus Macht und Stärke, aber sie ist niemals in einem Menschen! Die Haltung Nebukadnezars erinnert auch an die Einstellung des reichen Kornbauern in Lukas 16:17-20. So sehr auch die Barmherzigkeit und Langmut Gottes eine Realität ist, wenn ihr Vollmaß ungenutzt verstreicht, dann folgt das Gericht. Nebukadnezar hatte alles von Gott empfangen, aber er rühmte sich, als hätte er es nicht empfangen 1. Korinther 4:7 und spricht Worte reinsten Hochmuts. Aber Gott gibt Sein Ziel selbst mit diesem Mann nicht auf und lässt jetzt die schwerste Erprobung von allen über ihn kommen. Es ist eine Warnung an uns, ja nicht hoch von uns selbst zu denken. Wir stehen in der eminenten Gefahr, dass wir uns auf das bisschen, was wir haben, etwas einbilden; wie groß denken wir oft von uns, auch in der Versammlung und wir haben doch aus lauter Gnade alles nur geschenkt bekommen! Bei allen Tagen der Langmut Gottes ist jeder Tag eine besondere Mahnung an das jeweilige Herz. Das hat Nebukadnezar ignoriert. Er hatte die Tage der Langmut Gottes missbraucht und sein Herz ist verstockt worden. Wenn wir die empfangene Gabe von dem Geber selbst lösen, werden wir selbstherrlich und verlieren jede Zugänglichkeit des Herzens bis hin zur Verstockung.


„Noch war das Wort im Mund des Königs, da erklang eine Stimme vom Himmel herab: Dir wird gesagt, König Nebukadnezar: Das Königreich ist von dir genommen! Und man wird dich von den Menschen verstoßen, und du sollst dich bei den Tieren des Feldes aufhalten; mit Gras wird man dich füttern wie die Ochsen, und sieben Zeiten sollen über dir vergehen, bis du erkennst, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es gibt, wem er will! Im selben Augenblick erfüllte sich das Wort an Nebukadnezar: Er wurde von den Menschen ausgestoßen, fraß Gras wie ein Ochse, und sein Leib wurde vom Tau des Himmels benetzt, bis sein Haar so lang wurde wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelkrallen.“

Daniel 4:28-30


Das Geschehen von Daniel 4 ist nicht nur biblisch belegt, sondern wird durch Autoren der antiken Welt bestätigt. Sie bezeugen, dass Nebukadnezar, nachdem er seine großen Kriege geführt hatte, plötzlich für eine bestimme Zeit von der Bildfläche verschwand und erst kurz vor seinem Tod wieder in Erscheinung trat. Sie sagen, dass er zuletzt auf dem Dach seines Palastes gesehen wurde und dann von einer eigenartigen Krankheit getroffen wurde. Gott wartet und gibt Gelegenheit zur Buße. Das Gericht ist angekündigt, aber es wird nicht sofort vollzogen. Leider machen es viele Menschen wie Nebukadnezar. Sie ignorieren und verachten „den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut“ und denken nicht daran, dass die Güte Gottes sie zur Buße leiten will Römer 2:4. Nebukadnezar war oft zurechtgewiesen worden und hatte bis hierhin immer wieder seinen Nacken verhärtet; deshalb folgt jetzt sofort bei diesen hochmütigen Worten das Gericht Sprüche 29:1. Es ist die Stimme des Wächters und Heiligen, die jetzt vom Himmel her ertönt. Nebukadnezar wurde nicht zu einem Tier; sein menschliches Herz wurde verwandelt und ihm wurde das Herz eines Tieres gegeben Daniel 4:14. Damit ist nicht das Organ gemeint, sondern seine menschlichen Empfindungen, Entscheidungen, Urteile. Er blieb in seiner äußerlichen Gestalt eines Menschen, aber er verlor das Gottes-Bewusstsein und verwilderte in seinem Äußeren und lebte bei den Tieren, aber er wurde nicht buchstäblich zu einem Tier. Er lebte mit seiner menschlichen, verwilderten Gestalt wie ein Tier und bei den Tieren und benahm sich wie ein Tier. Gott hat den Menschen in Seinem Bild geschaffen, und davon ist jetzt bei Nebukadnezar überhaupt nichts mehr zu sehen. Wenn der Mensch das Zeugnis Gottes ablehnt, dann wird er auch in seinem Äußeren hingegeben Römer 1:24,26,28.


Gott gibt jedem Menschen eine bestimmte Zeit. So war es bei Noah, bei dem Pharao, und so ist es heute. Die meisten Menschen verpassen diese Zeit. Eine seltene Ausnahme finden wir bei den Bewohnern von Ninive, die die relativ kurze Zeit von nur 40 Tagen nutzten, um echte Buße zu tun. Gott warnt uns Menschen. Er gibt uns Zeit zur Umkehr. Aber wenn wir nicht hören wollen, gibt es keine Schonung. Dieses Prinzip können wir auch in der Regierung Gottes mit seinen Kindern beobachten. Das Volk Israel wurde mehrfach ernstlich gewarnt, bevor es in die Gefangenschaft nach Babel geführt wurde. Auch dieses Gericht war von Gott angekündigt worden. Von den Menschen in der Endzeit wird in 2. Petrus 2:12 und Judas 1:10 geschildert, dass sie wie unvernünftige, natürliche Tiere sich verhalten. Wenn die Moral des Menschen gegen Null geht, wird er in seinem Wesen wie ein Tier, das nur noch seine Bedürfnisse und Triebe befriedigen will. Das traurige Beispiel davon ist der verlorene Sohn in Lukas 15:11–16. Tiefer hinab als bis zu den Tieren geht es für den Menschen nicht. Ein Jahr nach seinem Traum ging der König auf seinem prachtvollen Palast umher. Beim Anblick der Stadt wurde sein Herz mit Stolz erfüllt und sein Mund sprach das aus, was schon lange in seinem Herzen war. Der Herr Jesus sagte einmal: „Aus der Fülle des Herzens spricht der Mund“ Matthäus 12:34. Das bewahrheitet sich hier. Der König nannte die Stadt „das große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit“. Obwohl er von Gott eindeutig vor dieser Sünde gewarnt worden war, beging er sie doch. Die Warnung Gottes löste keine Reaktion bei ihm aus. Er missachtete sie. Er verneinte Gott und rechnete nicht mit Ihm. Er selbst stand im Mittelpunkt seiner Gedanken und Überlegungen.


Alles das, was Gott ihm gegeben hatte; das Königtum, die Macht, die Herrschaft, den Erfolg, den Reichtum; schrieb er sich selbst zu. Er sagte: „Ich habe die Stadt erbaut, und ich habe es durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit getan.“ Nebukadnezar schreibt seinen Erfolg hier nicht einmal seinen Göttern zu, sondern sich selbst. Er war hochmütiger, als er je gewesen war, und illustriert damit den Hochmut und die Arroganz des letzten Weltherrschers, der noch einen Schritt weiter gehen und sich selbst zum Gott machen wird 2. Thessalonicher 2:4. Gott sagt an anderer Stelle: „Meine Ehre gebe ich keinem anderen“ Jesaja 42:8;48:11. Das musste Nebukadnezar nun schmerzlich erfahren. Wenn Gottes Stunde gekommen ist, kann niemand sie mehr aufhalten. Den Obrigkeiten in der Endzeit wird es nicht anders ergehen. Gott wird ihnen eine bestimmte Zeit geben, aber dann kommt der von Ihm festgelegte Zeitpunkt, wo der Herr Jesus auf diese Erde kommt und das große Endgericht beginnt. Gott warnt uns eindringlich vor Stolz und Hochmut: „Stolz und Hochmut und den Weg des Bösen und den Mund der Verkehrtheit hasse ich“ Sprüche 8:13. Gott widersteht dem Hochmut des Menschen. Er lässt uns auch die Folgen wissen: „Das Haus der Stolzen reißt der Herr nieder“ Sprüche 15:25. „Stolz geht dem Sturz, und Hochmut dem Fall voraus“ Sprüche 16:18. Seinem Volk Israel sagte er einmal: „Und ich werde euren starren Hochmut brechen und werde euren Himmel wie Eisen machen und eure Erde wie Erz“ 3. Mose 26:19. Das Gegenteil von Hochmut ist Demut. Diese Tugend lernen wir bei unserem Herrn, der Gott gepriesen in Ewigkeit ist und sich doch zu nichts gemacht hat Philipper 2:5. Er war „von Herzen demütig“ Matthäus 11:29. Er dachte nicht an sich, sondern an andere.So zeitnah, wie nach Nebukadnezars Aussage die Stimme vom Himmel kam, so zeitnah wurde das Gericht ausgeführt. „In demselben Augenblick wurde das Wort über Nebukadnezar vollzogen.“ Er wurde ausgestoßen und aß Kraut wie die Rinder. Sein Körper wurde vom Tau des Himmels benetzt, sein Haar wuchs wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelkrallen. Ein beschämender Anblick, den mächtigsten Mann der damaligen Zeit so erniedrigt zu sehen. Es ist ergreifend, dass jetzt wohl das Urteil angekündigt wird, dass es aber gleich in gewisser Hinsicht begrenzt wird bis zu dem Augenblick, an dem Nebukadnezar zur Einsicht kommen würde. Daniel hatte das auch schon in seiner Deutung des Traumes in Daniel 4:23 angedeutet mit den Worten „sobald du erkannt haben wirst, dass die Himmel herrschen“. Wie unbegreiflich groß ist die Gnade und Barmherzigkeit Gottes, diesen Mann, der bis zur Vermessenheit sein Herz verstockte, doch eine Wiederherstellung zu gewähren. Man hat versucht, das Gericht Gottes als eine natürliche Krankheit zu erklären, für die es medizinische Erklärungen gibt, aber letztlich ist es die Hand Gottes, die dahinter steckt. Gott hatte ihm, dem König der Könige, „die Macht und die Gewalt und die Ehre gegeben“ Daniel 2:37, allerdings hatte er das völlig ignoriert. Er hatte die Gabe Gottes missbraucht, und das ist immer eine ernste Angelegenheit. Nebukadnezar wird einem Tier gleich. Auf ihn trifft das Wort der Söhne Korahs zu: „Der Mensch, der in Ansehen ist und keine Einsicht hat, gleicht dem Vieh, das vertilgt wird“ Psalm 49:21. Aber das gilt nicht nur für Nebukadnezar. Der Prediger schreibt: „Wer weiß vom Odem der Menschenkinder, ob er aufwärts fährt, und vom Odem der Tiere, ob er abwärts zur Erde hinabfährt?“ Prediger 3:22. Gerade das ist es, was den Menschen vom Tier unterscheidet Hiob 32:8.


„Aber nach Verlauf der Zeit hob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel empor, und mein Verstand kehrte zu mir zurück. Da lobte ich den Höchsten und pries und verherrlichte den, der ewig lebt, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt; gegen welchen alle, die auf Erden wohnen, wie nichts zu rechnen sind; er verfährt mit dem Heer des Himmels und mit denen, die auf Erden wohnen, wie er will, und es gibt niemand, der seiner Hand wehren oder zu ihm sagen dürfte: Was machst du?“

Daniel 4:31-32


Der König von Babel war tief erniedrigt worden. Tiefer nach unten ging es nicht. Er gleicht dem jüngeren Sohn des Vaters in Lukas 15, der erst bei den Schweinen landen musste, bevor er zu „sich selbst“ kam und umkehrte. Gott hatte die Zeit bestimmt, in der er ganz unten sein sollte. Am Ende dieser Zeit erhob Nebukadnezar seine Augen zum Himmel. Das war der entscheidende Wendepunkt. Der Blick nach oben veränderte alles. Jetzt schildert Nebukadnezar seine Erlebnisse wieder in der Ich Form, wenn Nebukadnezar hier sagt, dass ihm sein Verstand wieder kam, zeigt uns das, dass er in der Tat wahnsinnig geworden war. Er war nicht buchstäblich zu einem Tier geworden, sondern völlig heruntergekommen und lebte wie ein Tier, weil ihm sein menschlicher Verstand von Gott genommen worden war. Nach Verlauf dieser sieben Jahre konnte er sich seinen Verstand auch nicht selbst wiedergeben, sondern es war das Eingreifen Gottes nötig. Es sind hier die letzten Worte aus dem Mund Nebukadnezars. Offensichtlich ist Gott in Seiner Langmut und in Seiner Güte mit Seinen Wegen mit diesem mächtigen König noch zu Seinem Ziel gekommen. Gott gab ihm darüber hinaus seine Ehre, seine Herrlichkeit und seinen Glanz zurück. Seine Räte und Gewaltigen suchten ihn wieder auf. Am Ende wurde ihm sogar „ausnehmende Größe“ hinzugefügt. Gott setzte ihn nicht nur wieder in seine alte Stellung ein, sondern Er tat mehr. So handelt der Reichtum göttlicher Gnade. „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden,“ Römer 5:20. Gott lässt durch den Propheten Jesaja sagen „Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, all ihr Enden der Erde; denn ich bin Gott und keiner sonst! Ich habe bei mir selbst geschworen, aus meinem Mund ist Gerechtigkeit hervorgegangen, ein Wort, das nicht zurückgenommen wird: Ja, mir soll sich jedes Knie beugen und jede Zunge schwören!“ Jesaja 45:22-23. Nebukadnezar hatte es vorher durch sein Verhalten abgelehnt, seine Knie vor Gott zu beugen. Jetzt hatte er seine Lektion gelernt und rühmte nicht mehr sich selbst, sondern Gott. Das was er zwischen der arroganten Selbstverherrlichung in Vers 27 und dem, was er am Ende sagt, ist beeindruckend. Derjenige, der vorher dachte, er sei das Maß aller Dinge, erkennt nun die Größe und Herrlichkeit Gottes an. Das ist das Ziel Gottes im Leben jedes Menschen. Er möchte geehrt werden.


Gott geht auch mit den Menschen der Welt Seine Erziehungswege bis sie sich demütigen, ohne dass sie unbedingt eine Glaubensbeziehung zu Ihm haben müssen „Hast du nicht gesehen, wie sich Ahab vor mir demütigt? Weil er sich nun vor mir demütigt, will ich das Unheil nicht zu seinen Lebzeiten hereinbrechen lassen; erst zu Lebzeiten seines Sohnes will ich das Unheil über sein Haus bringen!“ 1. Könige 21:29. Aber auch bei uns ist es oft nötig, dass Gott uns demütigt, weil wir es selbst nicht tun. Das kann vieles bedeuten, Verluste, Trauer, Verletzungen, Leid. Er demütigt uns, aber Er tut es in Treue, damit der Name des Herrn Jesus in unserem Leben verherrlicht wird. So manches Leid darf uns daher zum besten dienen. Dass Gott in Seiner Souveränität niemandem Antwort schuldig ist, was Nebukadnezar am Ende von Vers 32 anspricht, wird in vielen weiteren Stellen der Heiligen Schrift bestätigt „Siehe, die Völker sind wie ein Tropfen am Eimer; wie ein Stäubchen in den Waagschalen sind sie geachtet; siehe, er hebt die Inseln auf wie ein Staubkörnchen!“ Jesaja 40:15. Er ist erhabener als ein Mensch, und über all Sein Tun gibt Er keine Antwort „Siehe, da bist du nicht im Recht, er­widere ich dir; denn Gott ist größer als der Mensch! Warum rechtest du denn mit ihm, da er doch keine seiner Taten zu verantworten hat?“ Hiob 33:12-13.


„Zur selben Zeit kam mir mein Verstand zurück, und mit der Ehre meines Königtums kehrte auch meine Herrlichkeit und mein Glanz zurück; meine Räte und meine Großen suchten mich auf, und ich wurde wieder über mein Königreich gesetzt und erhielt noch größere Macht. Nun lobe und erhebe und verherrliche ich, Nebukadnezar, den König des Himmels; denn all sein Tun ist richtig, und seine Wege sind gerecht; wer aber hochmütig wandelt, den kann er demütigen!«“

Daniel 4:33-34


Es sind hier die letzten Worte aus dem Mund Nebukadnezars. Offensichtlich ist Gott in Seiner Langmut und in Seiner Güte mit Seinen Wegen mit diesem mächtigen König noch zu Seinem Ziel gekommen. Dass diese Veränderung bei Nebukadnezar auch seine Auswirkung auf die Juden hatte, die bei ihm in der Gefangenschaft lebten, wird aus einem Vergleich von Jeremia 51:34 und Jeremia 52:31-34 deutlich. Dort finden wir zunächst die Schilderung der Grausamkeiten dieses Königs gegen die „Bewohnerin von Zion“. Jeremia 52 zeigt dann das Verhalten seines Sohnes Ewil-Merodak, der gütig zu den Juden redete. Nebukadnezar muss wohl seinen Nachkommen von seinen Erfahrungen mit diesem ewigen Gott weitergegeben haben. Können wir eigentlich hier am Ende von Daniel 4 von einer echten Bekehrung Nebukadnezars sprechen?


Der Text gebraucht vier verschiedene Ausrücke für das Lob Nebukadnezars. Er preist, er rühmt, er verherrlicht und er erhebt Gott. Das zeigt deutlich, dass Nebukadnezar nicht mehr an sich denkt, sondern alles Gott zuschreibt. Es fällt zwar auf, dass er in den Versen 33 und 34 insgesamt zwölfmal die Worte „ich“, „mir“ und „mein“ gebraucht, aber der Kontrast zu seiner Aussage in Vers 27 ist dennoch augenscheinlich. In Vers 27 ist er derjenige, der sich selbst alles zuschreibt. In den Versen 33 und 34 ist er derjenige, der alles von Gott bekommt und Ihn dafür lobt und preist. Der Unterschied zu seinen Aussagen am Ende von Kapitel 2 und 3 ist bemerkenswert. Zuerst hatte er anerkannt, dass Daniels Gott der Gott der Götter und Herr der Könige war. Aber er hatte nicht Gott, sondern Daniel angebetet Daniel 2:46-47. Danach hatte er den Gott der Freunde Daniels gepriesen und ein Dekret erlassen, dass niemand etwas gegen diesen Gott sagen sollte Daniel 3:28-29. Bis zu diesem Zeitpunkt war sein Herz jedoch nicht verändert. Das hatte Gott jetzt erreicht, und das findet sich in seinem Lobpreis und Bekenntnis wieder.


Diese Verse enthalten gewisse Aussagen, die darauf schließen lassen. In Daniel 3:31–33 diese Verse sind ja eine vorweggenommene Zusammenfassung dessen, was Gott in Daniel 4 mit Nebukadnezar erreicht hat; sagt Nebukadnezar zum ersten Mal, dass der höchste Gott etwas an ihm getan hatte. Daraus können wir doch den Schluss ziehen, dass es sich hier wirklich um eine wirkliche Umkehr dieses Königs gehandelt hat, neutestamentlich würden wir sagen, dass er sich bekehrt hat. hat. Er hat Gott in seinen Worten verherrlicht und Ihm dafür Dank dargebracht Römer 1:21, dass Er ihn wieder eingesetzt hatte und ihm sogar noch mehr gegeben hatte als er vorher besessen hatte. Bei ihm sind die Reaktionen zu erkennen, die dem ewigen Evangelium entsprechen Offenbarung 14:7, Ihn als Schöpfer-Gott zu erkennen. Nebukadnezar ist ja nicht zum Judentum übergetreten, das bestand ja zu seiner Zeit nur in Gefangenschaft, aber zu dem ewigen Gott scheint er sich doch in aller Aufrichtigkeit gewandt zu haben. Was Gott getan hatte, war in Übereinstimmung mit Seinem Wesen, und Sein regierendes Handeln war auch genau das Richtige in der jeweiligen Situation. Dann spricht er noch von dem Erniedrigen, aber nicht mehr davon, dass Gott ihn danach wieder erhöht hatte. Der Schlusspunkt seines Lobes ist, dass er die Erniedrigung von Gott angenommen hatte.


Dass es bei Nebukadnezar diesmal echt war und nicht wie die vorigen Male nur ein äußeres Bekenntnis, macht auch der Umstand deutlich, wie Gott mit seiner Wiederherstellung verfährt. Er hatte ihm den Verstand genommen, und Er hatte ihm diesen dann wiedergegeben. Damit nicht genug kamen ihm zur Ehre seines Königtums auch seine Ehre und sein Glanz wieder, und ausnehmende Größe wurde ihm hinzugefügt.

Dienstag, 11. August 2020

Daniel Lektion 3

„Der König Nebukadnezar ließ ein goldenes Standbild anfertigen, 60 Ellen hoch und 6 Ellen breit, das stellte er in der Ebene Dura in der Provinz Babel auf. Und der König Nebukadnezar ließ die Satrapen, Vorsteher und Statthalter versammeln, die Räte, Hofschatzmeister, Richter und Gerichtsbeamten samt allen Provinzvorstehern, damit sie zur Einweihung des Bildes kämen, das der König Nebukadnezar aufgestellt hatte.“

Daniel 3:1-2


Nebukadnezar hatte gerade unmittelbar zuvor die Deutung des Traumes erfahren, aber seine Reaktion darauf war nur eine kurzfristige religiöse Aufwallung gewesen. Eine Form der Gottseligkeit, ein ernstes Bekenntnis, war er noch weit entfernt von Gott. Seine Lippen sprechen scheinbar wohllautende Worte aus, aber sein Herz vermochte nicht zu glauben. Was tatsächlich sein Herz bewegt, finden wir in diesem Kapitel. Nebukadnezar ist ein erschütterndes Beispiel dafür, dass es ein vergebliches Glauben gibt „durch das ihr auch gerettet werdet, wenn ihr an dem Wort festhaltet, das ich euch verkündigt habe — es sei denn, dass ihr vergeblich geglaubt hättet.“

1. Korinther 15:2. Wenn man nur glaubt aufgrund äußerer Wirkungen und Machterweisungen, wenn nur das der Inhalt des Glaubens ist und nicht zugleich das Gewissen berührt wird und ein Werk Gottes an der Seele geschehen kann, dann ist das, was man vorgibt zu glauben, vergeblich. Johannes 2:23-25 zeigt uns auch so ein Beispiel für Glauben, ein Für-Wahr-Halten aufgrund von Beweisen, wo es keine Bewegung im Herzen gab, wo kein Werk Gottes in der Seele geschehen war. Nebukadnezar hatte auch geglaubt, dass der Gott Daniels der wahre Gott ist und dass dieser Gott die Quelle der Offenbarung war, die Daniel erhalten hatte. Wenn man nur die äußeren Beweise zur Kenntnis nimmt und für wahr hält, und dann seinen Weg weitergeht, dann ist das der Weg zum scheitern. Das gleiche finden wir auch bei Simon dem Zauberer Apostelgeschichte 8:13-21. Es scheint fast, als wäre Nebukadnezar durch die Deutung des Traums, wo ihm gesagt wurde, dass er selbst das Haupt von Gold sei, zur Errichtung dieses goldenen Bildes inspiriert worden. Er machte von sich dieses Bild, vor dem sich dann jeder niederbeugen musste.


Die Geschichte wird sich wiederholen. Die falsche Religion wird erhöht werden. Allen Völkern, Sprachen und Nationen wird befohlen werden, ein falsches Bild zu heiligen. Dies ist Satans Plan. Der Erlass, der die Anbetung erzwingt, wird in alle Welt ausgehen. In beschränktem Maße ist er bereits ausgegangen. An verschiedenen Orten spricht die Regierung mit Drachenstimme, geradeso, wie der heidnische König zu den hebräischen Gefangenen sprach.


Gewaltanwendung ist das letzte Mittel jeder falschen Religion. Zuerst versucht sie, die Leute anzulocken, wie es der König von Babylon tat mithilfe der Macht der Musik und äußerer Schaustellung. Wenn diese Anziehungskraft, von Menschen erfunden, von Satan eingegeben, darin versagte, Menschen zur Anbetung des Bildes zu bewegen, waren die hungrigen Flammen des Feuerofens bereit, sie zu verschlingen. So wird es auch jetzt zugehen. Wir benötigen denselben Geist, den Gottes Diener im Kampf mit dem Heidentum zeigten.


„Sobald nun die Satrapen, Vorsteher und Statthalter, die Räte, Hofschatzmeister, Richter und Gerichtsbeamten samt allen Provinzvorstehern zur Einweihung des Bildes versammelt waren, das der König Nebukadnezar aufgestellt hatte, und vor dem Bild standen, das Nebukadnezar aufgestellt hatte, da rief der Herold mit gewaltiger Stimme: Das lasst euch gesagt sein, ihr Völker, Stämme und Sprachen: Sobald ihr den Klang der Hörner, Flöten, Zithern, Lauten, Harfen, Sackpfeifen und aller Arten von Musik hören werdet, sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar aufgestellt hat! Wer aber nicht niederfällt und anbetet, der soll augenblicklich in den glühenden Feuerofen geworfen werden! Darum fielen zur bestimmten Zeit, als alle Völker den Klang der Hörner, Flöten, Zithern, Lauten, Harfen und aller Arten von Musik hörten, alle Völker, Stämme und Sprachen nieder und beteten das goldene Bild an, das der König Nebukadnezar aufgestellt hatte.“

Daniel 3:3-7


Niemand anders als Gott kann den Stolz des menschlichen Herzens unterwerfen. Wir können uns nicht selbst erlösen. Wir können uns nicht selbst umwandeln. In den himmlischen Höfen wird kein Gesang folgenden Inhalts erklingen: „Mir, der ich mich selbst geliebt, selbst gewaschen und selbst erlöst habe, sei Verherrlichung, Lob und Preis.“ Aber dies ist der Grundton des Liedes, das von vielen hier auf Erden gesungen wird. Sie wissen nicht, was es bedeutet, sanftmütig und von Herzen demütig zu sein. Wenn sie es irgendwie vermeiden können, wollen sie es auch gar nicht wissen. Das ganze Evangelium besteht darin, von Christi Sanftmut und Demut zu lernen. Was ist Rechtfertigung durch den Glauben? Es ist das Werk Gottes, die Herrlichkeit des Menschen in den Staub zu legen und das für den Menschen zu tun, was er in eigener Kraft nicht für sich selbst tun kann. Wenn Gott in den Zeiten der Nationen den Menschen Macht verleiht, entsteht immer die Frage, ob sich der Mensch dieser verliehenen Macht würdig erweisen wird. Auch dieses Kapitel zeigt wie damals schon bei Mose, dass Macht in der Hand von Menschen zur Schlange wird 2. Mose 7:10, der Mensch hat sich nie dieser Macht würdig erwiesen. Zur Einweihung des Bildes wurden Legislative, Exekutive und Judikative, alle Beamten, Gewalten und Repräsentanten der Führungsschicht des Landes zusammengerufen, um dieses Bild anzubeten. Sie sollten praktisch dem einfachen Volk damit zeigen, dass dies nun die Religion sei, der man zu folgen habe. Und alle folgen diesem Ruf, vielleicht nicht alle freiwillig, aber sie folgten, weil sie wussten, dass ihnen der Tod drohte, wenn sie nicht hingehen würden. Wenn unter der Anstiftung Satans eine Massenbewegung ihren Anfang nimmt, müssen alle ihr folgen. Gehören wir heute zu der Masse, die auch bestimmten Götzen hinterher läuft? Wenn Nebukadnezar hier dieses Bild aufrichten lässt, dann bezieht sich das erstmal auf ihn selbst. Seitdem das römische Reich aufgerichtet wurde, trägt es die Charakterzüge aller vorhergehenden Reiche. Auch der Charakter des babylonischen Reiches wird im römischen Reich wieder aufgezeigt.


„Deswegen traten zur selben Stunde etliche chaldäische Männer herzu und verklagten die Juden. Sie ergriffen das Wort und sprachen zum König Nebukadnezar: O König, mögest du ewig leben! Du hast, o König, Befehl gegeben, dass jedermann, der den Klang der Hörner, Flöten, Zithern, Lauten, Harfen und Sackpfeifen und aller Arten von Musik hört, niederfallen und das goldene Bild anbeten soll; wer aber nicht niederfällt und anbetet, der soll in den glühenden Feuerofen geworfen werden.“

Daniel 3:8-11


Dieser Abschnitt beginnt mit einem deswegen. Worauf bezieht es sich? Vers 7 hatte damit geendet, dass alle Völker beim Klang der Musik niedergefallen waren und das Bild angebetet hatten; bis auf Hananja, Misael und Asarja. Prüfung und Verfolgung werden über alle kommen, die es im Gehorsam zum Wort Gottes ablehnen. „Wir werden den wilden Tieren vorgeworfen, damit wir widerrufen sollen, wir werden in den Flammen verbrannt, wir werden zu Gefängnis und Bergwerk verurteilt, wir werden auf Inseln wie Patmos verbannt - doch all das bleibt wirkungslos.“ So war es im Falle der drei edlen Hebräer: sie hatten allein die Ehre Gottes vor Augen, sie waren standhaft, die Kraft der Wahrheit hielt sie fest in der Treue Gott gegenüber. Wir lernen daraus, dass es nie ein Maßstab für Richtigkeit eines Handelns ist, wie viele dabei mitmachen! Immer wenn etwas zwischen unser Gewissen und Gott tritt, müssen wir Gott treu sein. Die drei Freunde kannten ganz einfach Gottes Wort und hielten sich an das erste und das zweite Gebot aus 2. Mose 20:3-4. Das war ihnen genug Motivation, einfach dem Befehl nicht zu gehorchen. Wenn wir Gottes Willen klar und deutlich in Seinem Wort finden können, brauchen wir nicht darum zu beten, wie wir uns verhalten sollen, dann sollten wir einfach nur danach handeln. Die drei Freunde leisten ihren Widerstand dem Befehl des Königs gegenüber nicht in einer spektakulären Form. Als Beamte sind sie wohl zu der Einweihung des Bildes eingeladen gewesen Daniel 2:49; 2:3 und dieser Einladung wohl auch gefolgt, aber sie haben sich vor dem Bild nicht gebeugt. Sie unterschieden also sehr wohl, wie weit sie dem Befehl des Königs noch Gehorsam leisten mussten, und wo sie an eine Grenze kamen, die sie in Widerspruch zu Gottes Wort bringen würde. Es liegt in der Kraft Gottes allein, dass wir befähigt werden, Ihm treu zu sein. „Liebt ihr mich,“ sagte Christus, „so haltet meine Gebote.“ „Wer meine Gebote hat und hält sie, der liebt mich, und wer mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ Und hat Christus sich nicht seinen treuen Kindern offenbart? Wandelte er nicht im Feuerofen mit den Gefangenen, die es ablehnten, dem goldenen Standbild auch nur ein Quentchen Ehrerbietung zu zollen, die allein Gott zukam? Offenbarte Ersieh nicht dem Johannes, der wegen seiner Treue auf die Insel Patmos verbannt wurde? Haben nicht diejenigen, die um Gerechtigkeit willen verfolgt wurden, die es trotz ihrer Leiden ablehnten, die Einrichtung des Papsttums anzubeten, dennoch die Gegenwart des göttlichen Trösters in ihren einsamen Gefängnissen wahrgenommen?


Bisher hatte man immer gesehen, dass Daniel voranging, aber jetzt finden wir bestätigt, dass diese drei Männer den gleichen Glauben und die gleichen Werke wie Daniel hatten, dass sie die gleiche Treue hatten zu Gott wie Daniel hatten. Sie waren keine bloßen Mitläufer gewesen, wie Lot es in seinen Tagen gewesen war. Diese jüdischen Freunde waren Abgesonderte unter diesem Volk geblieben, hatten sich in ihrem gesamten Verhalten nicht dem babylonischen Ritualen angepasst. Sie wurden wegen ihrer Treue angezeigt, nicht wegen falschem Tun 1. Petrus 4:15-16. Es sind nur wenige, aber sie bleiben ihrem Gott wirklich treu, egal in welcher Färbung die Verführung kommt. Und sie stehen hier gewissermaßen für das ganze Volk.


Wenn ihre Ankläger von den Juden sprechen, meinen sie in Wirklichkeit nur diese drei Männer. Gott sieht es zu allen Zeiten so, dass diejenigen, die in Treue Sein Wort bewahren, die wahren Repräsentanten Seines Volkes sind. Offensichtlich hatten sich die meisten der Juden angepasst, nur Daniel und diese drei Freunde nicht. So war es auch während der Verbotszeit, wo viele in den Bund gegangen sind. Und wer es nicht getan hatte, musste Schande(=Erniedrigung) von den eigenen Glaubensgeschwistern erfahren. Damals haben Brüder zu Brüdern gesagt: „Euch kriegen wir auch noch!“ Wir sollten uns bewusst sein, dass es auch in unseren heutigen Tagen insgesamt dunkler werden wird, deshalb sollten wir innerlich enger zusammenrücken und mit mehr praktischer Bruderliebe untereinander verbunden den Weg gehen, um uns in unserem Glauben gegenseitig zu stärken und in gegenseitiger Wertschätzung und Unterstützung dem gemeinsamen Ziel entgegenzugehen.


„Nun sind da jüdische Männer, die du über die Verwaltung der Provinz Babel bestellt hast, Sadrach, Mesach und Abednego. Diese Männer, o König, achten nicht auf dich, dienen deinen Göttern nicht und beten das goldene Bild nicht an, das du aufgestellt hast!“

Daniel 3:12


Ein schwerer Test kam auf . . . diese Jugendlichen zu, als Nebukadnezar eine Proklamation herausgab, die alle Beamten des Königreiches dazu aufrief, sich zur Einweihung des großen Standbildes zu versammeln und bei dem Klang der Musikinstrumente niederzufallen und es anzubeten. Sollte irgendjemand dies nicht tun, sollte er sofort in einen brennenden Feuerofen geworfen werden. Die Anbetung dieses Bildes war von den Weisen in Babylon vorgeschlagen worden, um die hebräischen Jugendlichen zur Anbetung ihrer Götzen zu bewegen. Sie waren wunderschöne Sänger, und die Chaldäer wollten, dass sie ihren Gott vergessen und die Götter der Babylonier anbeten.

Der festgesetzte Tag kam, und bei dem Klang der Musik fiel die große Schar, die sich auf Befehl des Königs versammelt hatte, nieder und betete das goldene Bild an. Aber diese treuen jungen Männer wollten sich nicht niederbeugen.


Durch die hebräischen Gefangenen wurde der Herr den Heiden in Babylon bekannt gemacht. Diesem götzendienerischen Volk wurde davon Kenntnis gegeben, dass der Herr ein Königreich aufrichten wird, das sich durch seine Macht gegen alle Macht und Verschlagenheit Satans durchsetzt. Daniel und seine Freunde, Esra und Nehemia und viele andere waren während ihrer Gefangenschaft Zeugen für Gott. Der Herr zerstreute sie unter die Reiche der Erde, damit ihr Licht in der Dunkelheit des Heidentums und Götzendienstes hell leuchten sollte. Daniel und seine Freunde hatten ein reines Gewissen ohne Vergehen gegen Gott. Aber sie konnten dies nicht ohne Anstrengung bewahren. Welch eine Prüfung kam über die drei Freunde von Daniel, als von ihnen verlangt wurde, dass sie das große Bild, welches der König Nebukadnezar in der Ebene von Dura aufstellen liess, anbeten. Ihre Prinzipien verboten ihnen, dass sie das Götzenbild ehrten, denn es war ein Rivale des Gott des Himmels. Sie wussten, dass sie alle ihre Fähigkeiten Gott verdankten. Ihre Herzen waren erfüllt von Sympathie für alle Menschen, aber sie hatten das hohe Bestreben sich Gott gegenüber als völlig treu zu erweisen.


Die Ankläger wiederholen in Vers 10-11 sowohl den ausdrücklichen Befehl des Königs als auch die angedrohte Strafe, aber sie machen es in Vers 12 durch die wiederholte persönliche Ansprache zu einer unmittelbaren Sache zwischen dem König und den drei Freunden: „du hast sie …bestellt“; „auf dich achten sie nicht“; „deinen Göttern dienen sie nicht“; „das Bild, das du aufgerichtet hast, beten sie nicht an“. Sie wollen ihn damit darauf hinweisen, dass er als Person und König von ihnen missachtet würde, dass seine Religion von ihnen abgelehnt würde. Mit dieser Verschärfung der Anklage wollen sie sicherstellen, dass an diesen drei Freunden die angedrohte Strafe auch vollzogen würde. Allerdings war der erste Vorwurf, sie würden den König selbst nicht achten, eine gemeine Lüge. Daniel und seine Freunde hatten in den ersten beiden Fällen Standhaftigkeit bewiesen und den Geboten Gottes gehorcht, und als dann drittens dieses königliche Gebot zur Anbetung des Bildes kam, haben sie wieder Gott gehorcht. Es gab kein stufenweises Nachgeben bei ihnen. Wenn wir das nämlich tun, werden wir die Kraft verlieren, bei der nächsten Versuchung, die gegen Gottes Gedanken ist, erneut standhaft zu bleiben! Wir müssen in den kleinen Dingen Gott gehorchen und treu sein, dann werden wir auch die Kraft haben, in weiteren Glaubenserprobungen gehorsam zu sein. Möchten wir uns auch darin diese drei jungen Männer zum Vorbild für unser eigenes Glaubensleben nehmen!


„Da befahl Nebukadnezar mit grimmigem Zorn, dass man Sadrach, Mesach und Abednego kommen lasse. Sogleich wurden jene Männer vor den König gebracht. Nebukadnezar ergriff das Wort und sprach zu ihnen: Sadrach, Mesach und Abednego, geschieht es vorsätzlich, dass ihr meinen Göttern nicht dient und das goldene Bild nicht anbetet, das ich habe aufrichten lassen? Nun, wenn ihr bereit seid, sobald ihr den Klang der Hörner, Flöten, Zithern, Lauten, Harfen und Sackpfeifen und aller Arten von Musik hören werdet, niederzufallen und das Bild anzubeten, das ich gemacht habe, [dann ist es gut!] Wenn ihr es aber nicht anbetet, so sollt ihr au­genblicklich in den glühenden Feuer­ofen geworfen werden! Und wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand erretten könnte?“

Daniel 3:13-15


Eine sehr gute Frage von Nebukadnezar „wer ist der Gott, der die drei Freunde nicht verbrennen lässt“. Jahwe, der Ewige, aus sich Seiende, der Ungeschaffene, der Schöpfer und Erhalter aller Dinge, hat allein das Recht zu höchster Verehrung und Anbetung. Der Mensch darf keinem andern Wesen den ersten Platz in seinen Gefühlen oder seinem Handeln einräumen. Was auch immer wir schätzen mögen, sobald es unsere Liebe zu Gott mindert oder den ihm gebührenden Dienst beeinträchtigt, machen wir uns einen Gott daraus. „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!“ 2.Mose 20:4-5 Das zweite Gebot verbietet die Anbetung des wahren Gottes in Nachbildungen. Viele heidnische Völker machen geltend, ihre Bilder seien nur Darstellungen oder Sinnbilder, in denen sie die Gottheit anbeten. Aber Gott hat solche Verehrung als Sünde bezeichnet. Der Versuch, den Ewigen gegenständlich darzustellen, schwächt die Gottesvorstellung des Menschen. Der Sinn, der sich von der unendlichen Vollkommenheit Jahwes abwendet, wird mehr vom Geschöpf als vom Schöpfer angezogen. Und mit dem sinkenden Gottesbegriff wird auch der Mensch selbst entwürdigt.


Diese drei Freunde werden auf Befehl des Königs vor ihn gebracht. Seine Autorität war jetzt beleidigt und herausgefordert worden, und er reagiert auf eine typisch fleischliche Art in Zorn und Grimm. Zorn und Grimm sind immer schlechte Berater Sprüche 27:4;16:14 und durch eines Mannes Zorn wird Gottes Gerechtigkeit nicht gewirkt Jakobus 1:20. Wir müssen uns über diesen Zorn nicht wundern, denn durch das treue Verhalten der drei Freunde wurde sein ganzes Konzept verdorben, diese einheitliche Religion zu schaffen als Bindeglied über sein großes Volk – dieser Plan wurde mutwillig zerstört. Und doch scheint es so, als würde er den drei Freunden einen gewissen Aufschub gewähren. Er gibt ihnen noch einmal die Chance, sich die Sache zu überlegen. Diese zweite Chance bedeutete für die drei Freunde aber auch keine geringe Gefahr, sie standen noch immer als ganz junge Männer vor dem mächtigsten Herrscher, den die Welt je gesehen hatte. Nebukadnezar baut ihnen mit seiner Frage „Ist es Vorsätzlich“ praktisch eine goldene Brücke, wo sie hätten zugeben können, dass sie mit ihrer Weigerung, sich niederzuwerfen, unbedacht gehandelt hatten. Sie hätten Ausreden finden können und mit vielen Möglichkeiten auf diese zweite Chance reagieren können. Zuerst kam Satan als brüllender Löwe, und jetzt versucht er in seiner List, sie aus ihrer treuen Nachfolge heraus zu verleiten. Aber sie blieben treu und betonten, dass sie mit Absicht so gehandelt hatten. Was ist wohl gefährlicher für einen, der treu zu seinem Herrn stehen möchte, das Drohen Babels oder das Lächeln Babels?


Zuerst kam Nebukadnezar also mit Verführung, am Ende von Vers 15 aber schreckt er mit seiner unverhohlenen Drohung des brennenden Feuerofens ab. Mit dieser schrecklichen Androhung will er sie noch einmal zur Umkehr ihrer Gedanken bringen. Und dann tut er etwas ganz Furchtbares! Er fordert den Gott Israels heraus mit einer frechen und unfassbar bösen Gesinnung: „Den Gott möchte ich mal sehen, der euch aus meiner Hand erretten wird“. Eine ganz böse Sprache! Nebukadnezar hat mit diesen Worten direkt in die Rechte Gottes eingegriffen, und ob bewusst oder unbewusst macht er die Sache damit zu einer Sache zwischen ihm und Gott. Es handelt sich damit nicht länger um eine Sache zwischen Nebukadnezar und den drei Freunden, sondern zwischen ihm und dem Gott dieser drei Freunde. In 2. Mose 5:2 führt der Pharao von Ägypten eine ganz ähnliche Sprache, und die Antwort des Herrn darauf ist: „Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao tun werde; denn durch eine starke Hand gezwungen soll er sie ziehen lassen“ 2. Mose 6:1. Ähnlich böse Worte führt der König von Assyrien in 2. Chronik 32:15 im Mund; und auch im Blick auf das Haupt des römischen Reiches wird ähnlich herausfordernd gesprochen Offenbarung 13:4.


„Sadrach, Mesach und Abednego antworteten und sprachen zum König: Nebukadnezar, wir haben es nicht nötig, dir darauf ein Wort zu erwidern. Wenn es so sein soll — unser Gott, dem wir dienen, kann uns aus dem glühenden Feuerofen erretten, und er wird uns bestimmt aus deiner Hand erretten, o König! Und auch wenn es nicht so sein soll, so wisse, o König, dass wir deinen Göttern nicht dienen und auch das goldene Bild nicht anbeten werden, das du aufgestellt hast!“

Daniel 3:16-18


Die drei Freunde antworten auf diese böse Herausforderung ihres Gottes nichts. Sie lassen in ihrer Erwiderung sogar den Titel König bei der Anrede Nebukadnezars weg, sie nennen nur seinen Namen, vor Gott war er einfach nur Nebukadnezar. Diesen Angriff auf ihren Gott nehmen sie nicht auf und überlassen es dem Gott, der hier beleidigt wurde, sich zu rechtfertigen und Seine Herrlichkeit zu erweisen. Sie machen es bewusst zu einer Sache zwischen ihrem Gott und dem König Nebukadnezar. Nebukadnezar hatte frech gefragt: „Wer ist der Gott…“, und sie antworten jetzt: „Unser Gott…“; sie standen zu ihrem Gott und stellten sich klar auf seine Seite, als Nebukadnezar Ihn so sehr in den Schmutz gezogen hatte. Und der Gott Israels hat geantwortet, und Er hat das auf eine Weise getan, die einfach kostbar ist, und Nebukadnezar muss später bekennen, dass er überwunden worden ist. Die heldenmütigen Hebräer konnten nicht vom Feuer verzehrt werden, da die Gestalt des vierten Mannes – der Sohn Gottes – bei ihnen war. So wird es auch am Tag des Kommens des Herrn sein, dass Rauch und Flammen keine Macht haben werden, um den Gerechten Schaden zuzufügen. Diejenigen, die mit dem Herrn vereint sind, werden unversehrt entkommen. Erdbeben, Wirbelstürme, Flammen und Überschwemmungen können diejenigen nicht verletzen, die bereit sind, ihrem Erlöser im Frieden zu begegnen. Aber diejenigen, die unseren Erlöser verworfen und ihn gegeißelt und gekreuzigt haben, werden zu denen gehören, die von den Toten auferweckt werden, um sein Kommen in den Wolken des Himmels zu sehen, wenn er begleitet von dem himmlischen Heer – zehntausend mal zehntausend und tausend mal tausend Engeln – erscheinen wird.


Die drei Freunde bewiesen ein unerschütterliches Vertrauen auf ihren Gott, sie wussten, dass der Gott, dem sie dienten, sie nicht in der Hand Nebukadnezars lassen, sondern sie daraus retten würde. Allerdings lassen sie dabei doch offen, wie Gott das tun würde. Aber sie wussten, egal wie Gott handeln würde, ob Er sie vor dem Feuerofen bewahren würde oder in dem Feuerofen bewahren würde, oder ob sie durch den Tod gehen müssten, Er würde sie aus der Hand Nebukadnezars retten. Mit dem Erretten meinen sie also nicht die Erhaltung ihres irdischen Lebens. Es ist die höchste der schönen Stufe 1. Timotheus 3:13, sein Leben hinzugeben für den Herrn, als Märtyrer für Ihn zu sterben. Es geht also nicht darum, ob Gott retten kann oder nicht, sondern es geht um Seine Absichten in den jeweiligen Umständen, um Sein Wesen der Heiligkeit. Sie wussten jedenfalls felsenfest, dass Gott ihnen helfen würde, dem Befehl des Königs nicht gehorchen zu müssen; davor würde ihr Gott sie retten – ob durch den Tod oder auf einem anderen Weg. Für Nebukadnezar wäre es ja ein größerer Triumph gewesen, wenn die drei Freunde das Bild angebetet hätten, als dass er sie in seiner Macht dem sicheren Tod im Feuerofen überlassen hätte. Sie haben, was ihre Seite anging, durch Glauben die Kraft des Feuers ausgelöscht Hebräer 11:34. „Das, was diese drei gesagt haben, war keine abstrakte Wahrheit sondern Glauben“! Sie hatten wirklich im Glauben die Handlungen Gottes erfasst und ausgesprochen. Die Standhaftigkeit und der Mut der drei Freunde kam aus dem tiefen Bewusstsein hervor, das sie von dem Gott hatten, dem sie dienten. Sie dienten und vertrauten einem größeren Gott und dienten deshalb den Göttern Nebukadnezars nicht. Diese Begebenheit hier ist ein Beispiel dafür, dass man Gott mehr gehorchen muss als Menschen Apostelgeschichte 5:29. In Römer 13:1 werden wir aufgefordert, den obrigkeitlichen Gewalten untertan zu sein, zu vergleichen 1. Petrus 2:13-14. Es ist die Aufgabe von uns Christen, die Regierungen, die Gott gegeben hat – auch heute – anzuerkennen. Wir haben sie nicht in Zweifel zu ziehen oder zu hinterfragen, ob sie alles recht machen oder wie sie eigentlich an die Macht gekommen sind, das geht uns absolut nichts an. Die Regierungen haben also ihren von Gott übertragenen Herrschaftsbereich, wenn sie aber diesen Bereich überschreiten, wenn sie sich in den Bereich der Autorität Gottes hineinwagen, dann muss der Gläubige Gott mehr gehorchen als dem Menschen.


Diese jungen Freunde wussten, dass man allein den Herrn anbeten sollte und dass sich der König Nebukadnezar hier in die Rechte Gottes einmischte, und deswegen mussten sie widerstehen. Das kann auch uns heute passieren, dass irgendwelche Regierungsstellen Gesetze erlassen, die gegen Gottes Wort sind und uns direkt betreffen und deshalb unser Gewissen beherrschen würden – dann müssen wir das ablehnen, wie auch die Folgen sein mögen. Aber wir müssen dann immer noch gehorchen, nämlich Gott.


„Da wurde Nebukadnezar voll Wut, und das Aussehen seines Angesichts veränderte sich gegen Sadrach, Mesach und Abednego; [dann] redete er und gab den Befehl, man solle den Ofen siebenmal heißer machen, als man es sonst zu tun pflegte. Und den stärksten Männern in seinem Heer befahl er, Sadrach, Mesach und Abednego zu binden und sie in den glühenden Feuerofen zu werfen. Da wurden diese Männer gebunden und in ihren Mänteln und Beinkleidern samt ihren Turbanen und ihren Gewändern in den glühenden Feuerofen geworfen. Weil nun der Befehl des Königs dringend und der Ofen übermäßig geheizt war, so tötete die Feuerflamme jene Männer, die Sadrach, Mesach und Abednego hinauftrugen; diese drei Männer aber, Sadrach, Mesach und Abednego, fielen gebunden in den glühenden Feuerofen.“

Daniel 3:19-23


Ein Bekenntnis zu Christus bedeutet mehr als in Gebets Versammlungen Zeugnis zu geben. Wir müssen ein anderes Bekenntnis ablegen, als wir es bisher getan haben; und wir werden das unter anderen Umständen machen müssen. Die drei Freunde von Daniel wurden aufgefordert, Christus angesichts des brennenden Feuerofens zu bekennen. . . . Wenn du gerufen wirst, um Christi willen durch den Feuerofen zu gehen, wird Jesus an deiner Seite sein. „Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.“ Jesaja 43:2. Die drei Hebräer bekannten offen vor der ganzen Nation Babylon ihren Glauben an ihn, den sie anbeteten. Sie verließen sich auf Gott. In der Stunde ihrer Not erinnerten sie sich an seine Verheißung . . . Und auf wunderbare Weise war ihr Glaube an das lebendige Wort vor allen Augen gewürdigt worden. Die Botschaft ihrer wunderbaren Befreiung wurde von den Vertretern der verschiedenen Nationen, die Nebukadnezar zur Einweihung eingeladen hatte, in viele Länder getragen. Durch die Treue seiner Kinder wurde Gott auf der ganzen Erde verherrlicht. Als ihr Gott angegriffen wurde, haben sie eine klare Aussage gemacht; aber als es dann ihnen persönlich an den Kragen ging und sie gegriffen und in den Ofen geworfen wurden, hören wir keine Gegenrede mehr von ihnen. Machen wir es nicht manchmal genau umgekehrt? Wenn unser Gott und Seine Ehre angegriffen werden, dann schweigen wir oft und sagen nichts dagegen; aber wenn wir persönlich angegriffen werden, dann setzen wir uns oft wenigstens mit Worten zur Wehr.


Was unser Reden betrifft, haben wir einen Hinweis in 1. Petrus 3:15-17, die Freunde hatten Rechenschaft gegeben und dabei ein gutes Gewissen gehabt. Und für das Schweigen haben wir das wunderbare Beispiel des Herrn Jesus selbst in 1. Petrus 2:23. Dieses Beispiel kannten die drei Freunde noch nicht und entsprachen ihm doch schon auf eine so vorbildliche Weise; und wir kennen es und müssen doch bekennen, dass wir ihm so wenig entsprechen. Es ist eine Freude Gottes, die Namen derer, die zu Seiner Ehre ein Zeugnis für Ihn abgelegt haben und jetzt bereit sind, restlos alle Konsequenzen angesichts des Feuerofens zu tragen, immer wieder zu nennen. Gott liebt es, die Namen Seiner Treuen zu nennen, sie sind Ihm kostbar!


Feuer kann ja auf zweierlei Weise von Gott gebraucht werden, zur Läuterung, um mögliche Unreinheiten des Edelmetalls auszuscheiden Maleachi 3:3-4; und um zu zeigen, dass das Gold wirklich kostbares reines Material ist 1. Petrus 1:7. Hier würde das Feuer nur den bewährten, belastbaren Glauben der drei Freunde offenbaren. Doch wie ist es bei uns? Wir hören auch nicht davon, dass die drei Freunde zu Gott um Bewahrung vor dem Feuerofen gebetet hätten. Das wäre ja das Normalste der Welt gewesen, bei bevorstehender Gefahr um Bewahrung zu beten. Sie haben die Konsequenzen ihrer Treue einfach aus Gottes Hand angenommen, und sie überließen es ihrem Gott, wie Er sich verherrlichen würde. Gott hätte ihnen sicher diese Probe ersparen und sie auf andere Weise befreien können, aber sie waren einverstanden auf die Probe gestellt zu werden. Wenn Gott sie vor dem Feuerofen bewahrt hätte, dann wäre Er nicht so verherrlicht worden, wie es dann der Fall war. Sie vertrauten ihrem Gott und wollten lieber mit Ihm in den Tod gehen, als ohne ihn im königlichen Palast leben. Mit dem Herrn Jesus im Feuerofen ist besser, als ohne Ihn in den Palästen der Könige.


Diese Geschehnisse haben auch eine prophetische Bedeutung: In Offenbarung 13:5–7 haben wir den König des wiedererstehenden römischen Reiches, der geradeso wie Nebukadnezar hier große Dinge und Lästerungen reden wird. Und in Vers 7 finden wir dann im Bild das, was hier in Daniel 3 Nebukadnezar mit den drei Freunden tut. Nebukadnezar ist ein erschütterndes Vorbild von diesem letzten König des römischen Reiches, der sich auch ein Bild machen und anbeten lässt Vers 15. Das ist genau der Vorgang, der hier in der Geschichte von Daniel 3 vor uns ist. Es ist tief beeindruckend, wie sich das Buch Daniel und die Offenbarung ergänzen, man könnte fast sagen, sie bilden ein prophetisches Ganzes. Die Offenbarung ist nicht zu verstehen ohne Daniel, und Daniel ist ohne die Offenbarung nur halb so aussagekräftig. In der Offenbarung finden wir, wie Gott alles zu Ende führt zur Verherrlichung Seines Sohnes, sie ist Fortsetzung und Vollendung dessen, was Daniel hier schreibt.


„Da erschrak der König Nebukadnezar und stand rasch auf. Er redete und sprach zu seinen Räten: Haben wir nicht drei Männer gebunden ins Feuer geworfen? Sie erwiderten und sprachen zu dem König: Gewiss, o König! Er antwortete und sprach: Siehe, ich sehe vier Männer mitten im Feuer frei umherwandeln, und es ist keine Verletzung an ihnen; und die Gestalt des vierten gleicht einem Sohn der Götter!“

Daniel 3:24-25

                 

Plötzlich erblasste das Gesicht des Königs vor Entsetzen. . . Seine Stimme zitterte vor Erregung und der Monarch rief aus: „Siehe, ich sehe vier Männer, die sich mitten im Feuer aufhalten und sie sind nicht verletzt, und die Gestalt des vierten ist wie der Sohn der Götter.“ Das Erschrecken war aber durchaus gottgewollt, ein erwecktes Gewissen soll dadurch in das ganze Licht Gottes kommen. Offenbar hat nur er den vierten Mann sehen können, seine Räte können nur bestätigen, was sie getan hatten. Er vergleicht ihn mit einem Sohn der Götter; es ist der Herr Jesus, der in Daniel 7:13 beschrieben wird wie eines Menschen Sohn. Die drei Freunde waren nicht darauf eingegangen, was Nebukadnezar gewagt hatte, gegen den Gott Israels zu sagen. Sie hatten nur davon geredet, wie völlig sie ihrem Gott vertrauten und Ihm die Sache überließen. Und jetzt ist es dieser vierte Mann, den Nebukadnezar sieht, der ihn zurückführt. Nur Nebukadnezar sah diesen vierten Mann und das brachte ihn zurecht. Er sieht jetzt kein Gesicht oder Traum, sondern er sieht zwei Wunder „Diejenigen, die gebunden in den Feuerofen geworfen worden waren, gehen frei umher“, „und ein vierter Mann ist bei ihnen.“


Woher wusste dieser heidnische König, wie der Sohn Gottes aussah? Die hebräischen Gefangenen, die Vertrauensstellungen in Babylon innehatten, hatten ihm mit ihrem Leben und ihrem Charakter die Wahrheit gezeigt. Als sie nach einem Grund ihres Glaubens gefragt wurden, hatten sie ohne zu zögern ihr Zeugnis abgegeben. Sie hatten schlicht und einfach die Grundsätze der Gerechtigkeit dargelegt und so die Menschen um sie herum über den Gott unterrichtet, den sie verehrten. Sie hatten von Christus, dem kommenden Erlöser, berichtet; und in der Gestalt des vierten Mannes mitten im Feuer erkannte der König den Sohn Gottes. ...


Der welcher mit den heldenmütigen jungen Hebräern im Feuerofen wandelte, wird mit seinen Nachfolgern sein, wo immer sie sind. Seine ständige Anwesenheit wird sie trösten und aufrechterhalten. In der Zeit der Trübsal – einer Trübsal, wie es sie noch nie gegeben hat, seit es Völker gab – werden seine Auserwählten standhaft bleiben. Satan mit all den Heerscharen des Bösen kann die schwächsten Heiligen Gottes nicht zerstören. Engel, die sich durch Stärke auszeichnen, werden sie beschützen, und für sie wird sich Christus als „Gott der Götter“ offenbaren, der in der Lage ist, diejenigen zu retten, die ihr Vertrauen auf ihn gesetzt haben. Gott verherrlicht sich gerade dadurch, dass Er uns prüft, dass Er uns die Prüfungen nicht erspart!


„Darauf trat Nebukadnezar vor die Öffnung des glühenden Feuerofens, begann und sprach: Sadrach, Mesach und Abednego, ihr Knechte Gottes, des Allerhöchs­ten, tretet heraus und kommt her! Da kamen Sadrach, Mesach und Abednego aus dem Feuer hervor. Daraufhin versammelten sich die Satrapen, Vorsteher und Statthalter samt den Räten des Königs. Sie schauten diese Männer an, über deren Leiber das Feuer keine Gewalt gehabt hatte; ihre Haupthaare waren nicht versengt und ihre Kleider waren unverändert; man bemerkte nicht einmal einen Brandgeruch an ihnen.“

Daniel 3:26-27


Ein Wandel in Christus ist ein Leben voller Ausgeglichenheit. Es mag nicht immer von Wonnegefühlen erfüllt sein, sollte aber in einem dauernden, friedlichen Vertrauen bestehen. Eure Hoffnung liegt nicht in euch, sondern in Christus. Eure Schwachheit verbindet sich mit seiner Stärke, eure Unwissenheit mit seiner Weisheit, eure Gebrechlichkeit mit seiner Ausdauer und Kraft. ...


Wir sollten uns nicht zum Mittelpunkt unserer Gedanken machen oder in Angst und Furcht leben, ob wir auch erlöst seien. Dies alles dient nur dazu, die Herzen von der Quelle der Kraft abzuwenden. Übergebt eure Rettung Gott und vertraut ihm. Redet von Jesus und denkt an ihn. Lasst das eigene „Ich“ in ihm aufgehen. Lasst alle Zweifel, alle Befürchtungen fahren. Sprecht mit dem Apostel Paulus: „Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben.“ Galater 2:20. Ruhet in Gott. Er wird das, was ihr ihm anvertraut habt, bewahren. Wenn ihr euch ganz und gar seinen Händen überlasst, dann werdet ihr durch den, der euch liebt, in allem weit überwinden. Wichtig ist hier zu erkennen; dass besondere Einzelheiten bei den drei Freunden beschrieben werden, als sie aus dem Ofen herauskamen: „Ihr Haar war nicht versengt; das erinnert daran, dass ohne den Willen Gottes kein Haar von unserem Haupt verloren geht Lukas 21:18“, „Ihre Mäntel waren nicht verändert; ihr Zeugnis für den Herrn hatte keinen Schaden genommen durch diese schlimme Prüfung.“, „Der Geruch des Feuers war nicht an sie gekommen; keine Spuren des Gerichtes sind zurückgeblieben, keine Erinnerung an vergangenes Leid bleibt zurück Jesaja 25:8.“


Wie vollkommen ist doch die Rettung Gottes an diesen drei Freunden! Dieses dreifache Ergebnis wurde vor all den Statthaltern und Satrapen und Würdenträgern Nebukadnezars bezeugt. Das erinnert uns an die Zusicherung des Herrn für die Treuen in Philadelphia Offenbarung 3:9, und an das Gebet des Herrn in Johannes 17:23, wo die Welt erkennen soll, wie Er die Seinen liebt. Wir können vielleicht vier Ergebnisse dieser Prüfung des Feuerofens bei den drei Freunden festhalten: „Sie hatten die Freude der Gemeinschaft mit ihrem Herrn in dieser Prüfung; diese Gemeinschaft hätten sie verloren, wenn sie sich vor dem Bild niedergebeugt hätten.“, „Es wird bestätigt, dass sie recht gehandelt hatten; Nebukadnezar muss anerkennen, dass der Gott, dem sie dienten, der höchste Gott ist. Gott wird verherrlicht.“, „Sie wurden von den Bindungen befreit.“ Zum ersten Mal wird in der Bibel von Gott dem Höchsten gesprochen in 1. Mose 14:18–22. Da ist Melchisedek auch ein Bild von dem Herrn Jesus, der einmal König und Priester sein wird auf Seinem Thron Sacharja 6:12-13, ein Hinweis auf den Segen des 1000-jährigen Reiches. Nebukadnezar spricht hier etwas aus, was er selbst überhaupt nicht verstanden hatte. Seine Worte machen deutlich, dass er noch andere Götter neben diesem höchsten Gott zulässt.


„Da ergriff Nebukadnezar das Wort und sprach: Gepriesen sei der Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die auf ihn vertrauten und das Gebot des Königs übertraten und ihre Leiber hingaben, weil sie keinen anderen Gott verehren und anbeten wollten als ihren Gott allein! Und von mir wird eine Verordnung erlassen, dass, wer immer unter allen Völkern, Völkerschaften und Sprachen von dem Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos leichtfertig spricht, in Stücke zerhauen und sein Haus zu einem ­Misthaufen gemacht werden soll, weil es keinen anderen Gott gibt, der so erretten kann wie dieser! Daraufhin machte der König Sadrach, Mesach und Abednego groß in der Provinz Babel.“

Daniel 3:28-30


Großes Licht strahlte von Daniel und seinen Gefährten aus. Herrliche Dinge wurden von Zion, der Stadt des Herrn, erzählt. Genauso beabsichtigt der Herr, dass geistliches Licht in diesen letzten Tagen von seinen treuen Wächtern ausgeht. Wenn die Heiligen im Alten Testament solch ein entschiedenes Zeugnis der Treue abgelegt haben, wie sollte dann das heutige Volk Gottes mit dem Licht leuchten, das im Laufe der Jahrhunderte angesammelt wurde, wenn die Prophezeiungen des Alten Testaments ihre verhüllte Herrlichkeit in Zukunft scheinen liessen! Durch die Zeitalter sind die Glaubenshelden durch ihre Treue zu Gott deutlich erkannt und sichtbar vor die Welt gestellt worden, damit ihr Licht für diejenigen, die sich in der Dunkelheit befinden, scheint. Daniel und seine drei Gefährten sind leuchtende Beispiele für christliches Heldentum. . . Aus ihren Erfahrungen am Hof Babylons können wir lernen, was Gott für diejenigen tun wird, die ihm mit ganzem Herzen dienen.


Unversehrt waren die drei Freunde vor all den Würdenträgern Babylons aus dem Feuerofen herausgekommen. Und Nebukadnezar muss jetzt bekennen, dass Gott Seinen Engel zu ihrer Rettung gesandt hatte. Prophetisch können wir darin ein Bild sehen von der Anerkennung der Nationen und ihrer Führer angesichts der Befreiung des Volkes Israels und auch ihre Huldigung dem König dieses Reiches gegenüber, der diese Befreiung für Sein Volk bewirkte „So spricht der Herr der Heerscharen: In jenen Tagen [wird es geschehen], dass zehn Männer aus allen Sprachen der Heidenvölker einen Juden beim Rockzipfel festhalten und zu ihm sagen werden: »Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist!«“

Sacharja 8:23, „Dann werden die Heiden den Namen des Herrn fürchten und alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit,“

Psalmen 102:16. Das macht deutlich, dass die prophetische Erfüllung dieses Bildes über die Grenzen der damaligen Geschehnisse hinausgeht. Die Hauptbelehrung von Daniel 3 ist für uns doch wohl die, wie wir uns angesichts der über uns gesetzten Regierungen und Gewalten zu verhalten haben. Das Standbild in Daniel 2 zeigt uns die komplette Entwicklung der Zeiten der Nationen; von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende. Das ist die Basis, auf der die daran anschließenden geschichtlichen Kapitel ruhen. Diese prophetischen Hinweise sind maßgeblich für die Zeiten der Nationen. Wir lernen hier dass Götzendienst die Zeiten der Nationen bestimmt. Man fragt nicht nach Gott, man macht sich seine eigenen Götzen. Das Bild Nebukadnezars ist eine Religion, die verwirklicht werden sollte. Und die heutigen Entwicklungen in Europa gehen in die gleiche Richtung. Es werden heute Dinge gesetzlich geregelt, die gegen Gottes Wort sind. Dieser Geist hat die gesamte Christenheit durchdrungen, zum Beispiel die Stellung der Frau innerhalb des christlichen Bekenntnisses; und auch in den christlichen Zusammenkünften. Die Forderung des Staates nach Gleichstellung ist von der Kirche sofort übernommen worden, und dadurch dringt es in sämtliche Bereiche der christlichen Welt hinein. Können wir uns dem heute noch entziehen? Noch werden wir nicht dazu gezwungen, aber wie weit geben wir diesem Trend freiwillig nach? Spätestens in dem Augenblick an dem Christus uns versammelt wird die letzte Hemmschwelle weggefallen sein „Und ihr wisst ja, was jetzt noch zurückhält, damit er geoffenbart werde zu seiner Zeit. Denn das Geheimnis der Gesetzlosig­keit ist schon am Wirken, nur muss der, welcher jetzt zurückhält, erst aus dem Weg sein;“

2. Thessalonicher 2:6-7. Ein anderes beschämendes Beispiel ist die Gleichbehandlung jeder sexuellen Orientierung; man muss sich heute schon fürchten, öffentlich zu sagen, dass Homosexualität nach der Bibel Sünde ist. Wenn wir nicht mehr das Wort Gottes sprechen lassen dürfen, dann fangen wir an, unseren Kopf vor diesem Bild zu beugen, und am Schluss liegen wir platt auf dem Boden!


Nebukadnezar hatte erkannt, dass diese drei Freunde einem Gott vertrauten, der die Seinen nicht im Stich lässt. Er schämt sich nicht, der Gott dieser Treuen genannt zu werden Hebräer 11:16. Nebukadnezar muss anerkennen, dass die drei Freunde richtig gehandelt hatten, als sie ihrem Gott vertraut und sich nicht dem König unterworfen hatten. Sie hatten ihrem Gott mehr gehorcht als dem Mann, der sich zwischen sie und ihren Gott stellen wollte. Sie hatten ihre Leiber hingegeben, hatten nicht um ihr eigenes Leben gekämpft, sondern es für ihren Gott hingegeben Offenbarung 12:11. Mehr als ihr eigenes Leben besaßen sie nicht; alles, was sie hatten, gaben sie für ihren Gott hin. Hat das in Römer 12:1 nicht auch eine Mahnung für uns heute? Sie gingen keine Kompromisse ein und ihr Gott bekannte sich zu ihnen. Aber in dem, wie Nebukadnezar von diesem Gott spricht, wird doch noch eine gewisse Distanz zu diesem Gott deutlich, ähnlich wie in Daniel 2:47. Er war beeindruckt von dem Handeln Gottes, aber mehr auch noch nicht.


Wenn Nebukadnezar jetzt von einem Engel des Gottes spricht, denen die drei Freunde vertraut hatten, ist er in seiner Erkenntnis weiter gekommen als noch in Vers 25. Hier spricht er ganz klar nicht mehr von einem Sohn der Götter, sondern von dem einen wahren Gott, der Seinen Engel des Herrn gesandt hat. In 2. Mose 3:2; Richter 6:11 und in vielen anderen Stellen des Alten Testaments ist der Engel des Herrn der Herr Jesus selbst. Auffallend ist an diesen Stellen, dass da im Wechsel vom Engel des Herrn und vom Herrn selbst gesprochen wird, was deutlich macht, dass der Engel des Herrn nicht ein Geschöpf ist, sondern Gott selbst, der Sohn Gottes, der das Bild des unsichtbaren Gottes ist. Die drei Freunde hatten im Feuerofen erfahren, dass sich der Engel des Herrn um die her lagert, die Ihn fürchten, und dass Er sie befreit Psalm 34:8. Nebukadnezar hatte sich zu Unrecht zwischen das Gewissen der drei Freunde und Gott gestellt; und jetzt tut er in Vers 29 etwas Ähnliches schon wieder. Er schießt in seiner Reaktion über das Ziel hinaus und handelt im Übermaß. Nebukadnezar hat aus all seinen schönen Worten nichts gemacht, er hat auch nicht ein Atom gelernt. Er reagiert in Vers 29 genauso autoritär und fleischlich wie in Daniel 2:5. Er findet zwar anerkennende Worte für Gott, aber er ist noch nicht zu Ende mit sich. Das Handeln Gottes mit diesem gottlosen Mann ist schon bewegend. Vers 28 ist die Reaktion Nebukadnezars im Blick auf den Gott Israels, Vers 29 ist seine Reaktion in Richtung auf alle Völker und Nationen, und in Vers 30 hat er auch noch eine Zuwendung zu den drei Freunden. Gott sorgt hier durch den König Nebukadnezar dafür, dass die drei Freunde eine besondere Antwort auf ihre Treue bekommen 1. Samuel 2:30; Jesaja 25:8. Gott ehrt diejenigen, die Ihn ehren, und Er wird jede Erinnerung an durchlittenes Leid von ihnen wegnehmen! Was diese Zuwendungen der babylonischen Könige an Daniel und seine Freunde betrifft, sehen wir, dass nicht nur Gott mit den Königen Nebukadnezar und Belsazar unterschiedlich gehandelt hatte, sondern dass auch die vier Freunde die Zuwendungen dieser Könige unterschiedlich beantworten. Am Ende von Daniel 2 und hier in Vers 30 haben sie diese Gunsterweisungen offensichtlich angenommen, aber die Geschenke und Ehrungen des Königs Belsazar weist Daniel entschieden zurück Daniel 5:17.


„»Der König Nebukadnezar wünscht allen Völkern, Völkerschaften und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnen: Euer Friede nehme zu! Es hat mir gefallen, die Zeichen und Wunder zu verkünden, die der höchste Gott an mir getan hat. Wie groß sind seine Zeichen, und wie gewaltig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht!“

Daniel 3:31-33


Nebukadnezar macht hier eine Mitteilung an sein ganzes Reich und betont darin, was der höchste Gott getan hat. Wir bekommen eine tiefe Ehrfurcht davor, dass Gott diesen Nebukadnezar nicht gehen lässt; er muss jetzt etwas erleben, was ans Mark geht. Und zu sehen, wie Gott das macht mit diesem stolzen und mächtigen Mann, ist zutiefst beeindruckend. Nebukadnezar schildert in diesem offenen Brief nicht seine Größe sondern die Herrlichkeit Gottes. Aber zuerst wünscht er allen Menschen „Euer Friede nehme zu“, dass hatte es bei ihm bis dahin überhaupt noch nicht gegeben! Und neu ist dann auch, dass er von den Wundern und Zeichen spricht. Bislang war bei ihm nie eine Veränderung eingetreten, ähnlich wie die Leute in Jerusalem zur Zeit des Herrn Jesus, die an Seinen Namen glaubten, weil sie Seine Zeichen sahen, die Er tat Johannes 2:23. Aber der Herr vertraute sich ihnen nicht an, weil Er wusste, dass bei diesem angeblichen Glauben keine wirkliche Buße vorhanden war, kein wirkliches Werk an ihrer Seele geschehen war. So war es bis dahin auch bei Nebukadnezar. Mit diesem Mann waren Wunder geschehen! Und was er dann in Vers 33 über das Reich und die Herrschaft Gottes sagt, lässt sich direkt verbinden mit seinen Aussagen am Schluss des vierten Kapitels Daniel 4:31; dazwischen kommt erst der Prozess. Wir sehen die Zeit der Trübsal, die Gottes Volk bevorsteht, wird einen Glauben erfordern, der nicht ins Wanken gerät. Die Kinder Gottes müssen offenbaren, dass Gott der einzige im Leben ihrer Anbetung ist und dass keine Rücksichtnahme, nicht einmal die auf das eigene Leben, sie veranlassen kann, den geringsten Kompromiss zu einer falschen Anbetung einzugehen.


Für das treue Herz werden die Gebote sündiger, sterblicher Menschen neben dem Wort des ewigen Gottes in Bedeutungslosigkeit versinken. Die Wahrheit wird befolgt werden, obwohl die Folge Gefangenschaft oder Exil oder der Tod sein wird. Wie in den Tagen von Sadrach, Mesach und Abednego wird der Herr in der letzten Periode der Erdgeschichte mächtig für diejenigen wirken, die standhaft für das Rechte eintreten. Derjenige, welcher mit den heldenmütigen jungen Hebräern im Feuerofen wandelte, wird mit seinen Nachfolgern sein, wo immer sie sein werden. Seine ständige Gegenwart wird sie trösten und aufrechterhalten. Wir leben in einer Zeit feierlichen Vorrechts und heiligen Vertrauens. Bewahren Gottes Diener getreulich das ihnen Anvertraute, dann wird ihre Belohnung groß sein, wenn der Meister sagt: „Tu Rechnung von deinem Haushalten.“ Lukas 16:2. Das ernste Wirken, das uneigennützige Schaffen, die geduldigen, ausharrenden Bemühungen werden reichlich vergolten werden. Jesus wird zu solchen Dienern sagen, dass er sie hinfort nicht Knechte sondern Freunde nennt Johannes 15:15. Der Herr sieht die Arbeit nicht der Größe wegen mit Wohlgefallen an, sondern wegen der Treue, die in allem geübt wird. Nicht die Ergebnisse, die wir erzielen, sondern die Beweggründe, die uns zum Handeln veranlassen, fallen bei Gott ins Gewicht. Er schätzt Güte und Treue höher als alles andre.


Die Missionare werden auf ihre Arbeit, die sie tun, am besten in einem christlichen Heim vorbereitet, wo Gott gefürchtet, geliebt und verehrt wird, wo Pflichttreue zur zweiten Natur geworden ist, wo planlose und nachlässige Gleichgültigkeit gegenüber den häuslichen Pflichten nicht erlaubt ist, sondern wo eine stille und enge Verbindung mit Gott als unentbehrlich für eine treue Durchführung der alltäglichen Pflichten betrachtet wird. Häusliche Pflichten sollten, im Bewusstsein eine gute Erfahrung zu machen, erfüllt werden, damit uns ermöglicht wird in der dauerhaftesten und gründlichsten Art und Weise für Christus zu arbeiten wenn sie im richtigen Geist erfüllt werden. Oh, was vermag nicht ein lebendiger Christ auf missionarischem Gebiet durch die treue Erfüllung der täglichen Pflichten zu tun, indem er fröhlich das Kreuz auf sich nimmt und nicht eine Arbeit vernachlässigt, egal, wie unangenehm diese dem natürlichen Empfinden auch ist!

Daniel Lektion 4

„Ich, Nebukadnezar, lebte sorglos in meinem Haus und glücklich in meinem Palast. Da hatte ich einen Traum, der mich erschreckte, und die Ged...